Drei Monate mit der Ovy App

Ovy AppEs gibt sie leider: Diese Momente als Bloggerin, in denen man ein schlechtes Gewissen hat. Zum ersten Mal überkam es mich beim Testen der Natural-Cycles-App, da der Kontakt zum Team so nett war, ich die App aber letztendlich nicht guten Gewissens weiterempfehlen konnte. Gleiches gilt leider für Ovy. Hier sind es jedoch ein paar andere Punkte, die zu meinem Testurteil führen …

Das Design und der Aufbau der Ovy App

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Die Startseite der Ovy App: clean & übersichtlich

Fangen wir mal mit den guten Dingen an: Ovy sieht klasse aus! Ich kann voller Überzeugung behaupten: So eine schöne App für natürliche Verhütung gab es bisher noch nie. Die Startseite bildet ein Kreis, der den aktuellen Stand in Eurem Zyklus deutlich markiert. Eure Periode wird in Pink, die voraussichtliche fruchtbare Phase in Mintgrün angezeigt. In der Mitte des Zykluskreises gibt es drei Anzeigen, die vor und zurück geblättert werden können: die aktuelle Chance auf Schwangerschaft (gering, mittel, hoch), die Tage bis zur nächsten Periode sowie Eure gemessene Basaltemperatur.

Unter dem Kreis befindet sich Eure Temepraturkurve, zu der ich unter dem Punkt Auswertung noch komme. Darunter folgen dann Eure eingegebenen Körpersymptome, die über das Pluszeichen hinzugefügt werden können. Hier bietet Ovy eine wirklich große Bandbreite. Neben den Klassikern Temperatur, Zervixschleim (der leider fälschlicherweise als Ausfluss bezeichnet wird) und Periode, können Notizen zu Hygienemitteln, Stimmung und und und hinzugefügt werden. Ich finde es jedoch etwas missverständlich, je einen eigenen Punkt für Krankheit, Medikamente und Schlaf anzubieten und diese drei nicht bei Störfaktoren zu listen. Denn zu diesen zählen Krankheit, Medikamente und schlechter Schlaf in den meisten Fällen, was aber sicher nicht alle Userinnen wissen und dann eventuell übersehen, diesen Wert auszuklammern.

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Die Kalenderansicht der Ovy App: auch schön

Von der Startseite aus gelangt Ihr über das Icon oben links zur Kalenderansicht, die ich ebenfalls sehr hübsch finde. Auch hier sind prognostizierte Perioden und fruchtbare Phasen eingezeichnet. Erstere haben bei mir leider nicht immer übereingestimmt. Das Icon oben rechts führt Euch von der Startseite in den Einstellungs-Bereich, in dem Ihr Euch unter anderem einen Zyklusreport downloaden könnt. Auch zu diesem möchte ich unten in der Auswertung mehr sagen.

Die Bedienung der Ovy App

Die Bedienung der Ovy App ist kinderleicht und intuitiv. Die App ist klar und übersichtlich aufgebaut, ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand mit der Bedienung Schwierigkeiten hat. Ich würde mir wie schon erwähnt wünschen, die Störfaktoren zusammenzufügen sowie den Ausfluss korrekterweise als Zervixschleim zu benennen. Bei Periode fehlt meines Erachtens außerdem der Punkt Schmierblutung.

Was noch mehr fehlt: Das Vor- und Zurückblätten von einem zum nächsten Zyklusblatt, von einer zur nächsten Temperaturkurve. Sowie das Nachtragen von Daten in vergangene Zyklen. +++UPDATE: Das Nachtragen ist über die Kalenderfunktion doch möglich, wenn auch nur für einen eingeschränkten Zeitraum +++

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So sieht das kommende Bluetooth-Thermometer zur Ovy App aus

Zur App gehört übrigens ein Basalthermometer, welches ich jedoch nicht verwendet habe (Kosten: 14,90 Euro). Ihr könnt dieses oder ein gewöhnliches, anderes Basalthermometer nutzen. Ich selbst habe die Werte des Wink in die App eingteragen. Auch Ovy bringt demnächst ein eigenes Bluetooth-Thermometer heraus, das die Daten automatisch an die App überträgt – juhu!

Die Auswertung der Ovy App

Tja, ich würde gern etwas zu diesem Punkt sagen, aber ich kann es nicht so richtig. Denn die Auswertung der App ist nicht ersichtlich. Ovy wertet nach symptothermaler Methode und zusätzlich nach eigenem Algorithmus aus. Da hab ich nichts gegen, auch die daysy und der myWay verfahren so (wobei die daysy nur die Basaltemperatur + Algorithmus heranzieht). Aber: Diese beiden Tools zeigen eindeutig an, ob Fruchtbarkeit angenommen werden muss oder nicht. Die Ovy App hingegen differenziert nur in den Chancen auf eine Schwangerschaft: gering, mittel, hoch. Das finde ich nicht ausreichend. Und auch irreführend. Denn kurz vor dem fruchtbaren Fenster (das mintgrün markiert wird) sind die Chancen mittel. Hier ist also durchaus schon eine Schwangerschaft möglich, einige Userinnen könnten sich aber denken: „Hmm, nur mittel? Dann brauche ich nicht zu verhüten“.

Ich würde mir hier eine eindeutige und ganz klare Ansage wünschen: Bin ich fruchtbar oder bin ich es nicht? Wenn die Auswertung wirklich symptothermal und nach eigenem Algorithmus verläuft, dürfte sie doch bombensicher sein, oder? Warum also nicht klar kommunizieren, was Sache ist?

Die Temperaturkurve der App

Die Temepraturkurve der Ovy App kann ich mit einem Wort beschreiben: ungenügend. Sie ist viel viel viel zu klein und überhaupt nicht leserlich. Kein Mensch kann daran seine Temperaturwerte ablesen, geschweige denn die Auswertung gegenchecken (wobei diese eh nicht ersichtlich ist, siehe oben). Hier müsste ganz klar nachgerüstet werden (soll es nach Angaben der Entwicklerinnen auch).

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Ich würde Euch nun gern meine drei Temperaturkurven der Ovy App präsentieren – diese habe ich jedoch nicht direkt in der App abbilden können, da das Zurückblättern wie beschrieben nicht möglich ist, und ich es verpasst habe mir immer direkt einen Screenshot zu machen. Stattdessen habe ich den Zyklusreport als PDF-Datei heruntergeladen.

Vollständig sind allerdings nur der erste und dritte Zyklus. Im zweiten habe ich nicht regelmäßig messen können aufgrund von sehr unruhigen Nächten mit Baby. Hier kommt Zyklus Nummer 1:

Bildschirmfoto 2017-08-13 um 12.45.26

Die Kurve sieht sehr unruhig aus, was sie aber eigentlich gar nicht war (ich habe den direkten Vergleich aus der Kindara App). Ovys Temepratursprünge sind in der Skala nur etwas groß geraten. Im Zyklusreport steht außerdem: Kein Nachweis eines Eisprungs anhand der Temperaturkurve. Öhm, komisch, denn: Mithilfe der 1. Ausnahmeregel ist dieser Zyklus sehr wohl auswertbar, und zwar am Abend des 17. Zyklustages (ohne Zervixschleimauswertung, die erst später abgeschlossen war). Ovy weist darauf hin, dass die Vollständigkeit der Messungen nicht unter 75 Prozent liegen sollte, ich messe jedoch maximal 50 Prozent im Zyklus. Schade, dass Ovy damit nicht klarzukommen scheint.

Und hier nun der dritte Testzyklus:

Bildschirmfoto 2017-08-21 um 19.47.45

Auch hier schreibt Ovy, dass kein Eisprung nachgewiesen werden konnte. Der Zyklus ist jedoch mit den ganz gewöhnlichen NFP-Regeln auswertbar (3-über-6-Regel ist erfüllt, trotz zwei fehlender Werte an Tag 12 und 15). Auch wenn ich zwei fiktive Werte für Tag 12 und 15 eintrage und diese als Störfaktoren markiere, sieht die Kurve genauso aus (nur eben mit zwei Punkten mehr).

Mein Fazit zur Ovy App:

Ich glaube, Ihr könnt es schon erahnen: Nur gut aussehen reicht (mir) nicht. Die Ovy App hat ein wunderschönes Design und eine einfache, intuitive Bedienung. Es hapert jedoch an wichtigen Basics, wie einer viel zu kleinen Temepraturkurve, keiner eindeutigen Fruchtbarkeits-Anzeige, keinem Vor- und Zurückblättern der Zyklen usw. Auch von der Auswertung bin ich enttäuscht, hatte ich doch sehr wohl einen nachweislichen Eisprung im ersten und dritten Testzyklus. Nach eigenen Angaben eignet sich Ovy übrigens nicht für Frauen

mit unregelmäßigen Zyklen, zum Beispiel durch Einnahme bestimmter Medikamente, Chemotherapien, Teenager

die nicht schwanger werden dürfen, zum Beispiel wegen gesundheitlicher Risiken

die eine tägliche Messung zur gleichen Zeit nicht garantieren könnten, zum Beispiel wegen einer reisenden Tätigkeit

Zum Abschluss kommen hier noch meine persönlichen Vor- und Nachteile der Ovy App:

Vorteile Ovy App:

  • kostenlos, für Android + iOS

  • Basalthermometer gleich mitbestellbar

  • bald mit Bluetooth-Thermometer nutzbar

  • schönes Design

  • hohe Benutzerfreundlichkeit

Nachteile Ovy App:

  • keine eindeutige Fruchtbarkeitsangabe

  • viel zu kleine, nicht einsehbare Temperaturkurve

  • keine Einsicht in die Auswertung

  • kein Zurückblättern der Zyklen

  • erfordert viele Messungen, mindestens 75 Prozent im Zyklus

  • hat meinen Eisprung nicht erkannt

  • etwas missverständliche Einteilung der Störfaktoren

Ich kann die App insgesamt leider nicht weiterempfehlen, zumindest nicht zur Verhütung, auch nicht wenn sie bald mit Bluetooth-Thermometer kommt. Sollte das Update mit den oben genannten Verbesserungen kommen, gebe ich ihr aber gern noch mal eine Chance.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Ovy gemacht? Oder habt Ihr noch Fragen?

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Comments

  1. maggie_m says

    +++ Dieser Kommentar erreichte mich via facebook von Lina Wüller, einer der Entwicklerinnen der Ovy App. Mit ihrer Genehmigung darf ich ihn nun auch hier veröffentlichen ++++

    Hi Maggie, danke Dir, dass Du dir die Mühe machst und so detailliert über die App berichtest. Wir nehmen das Feedback sehr gerne entgegen und versuchen – sofern sinnvoll – Anpassungen vorzunehmen. Es gibt allerdings ein paar Punkte, die wir einmal richtig stellen würden. Es geht um die folgenden Punkte:

    – keine eindeutige Fruchtbarkeitsangabe
    -> Das war bislang eine rechtliche Frage. Wir sind ein junges Startup, das mit den Nutzerinnen wächst. Es geht in erster Linie darum, eine einfache Lösung an die Hand zugeben, um den Einstieg in die Thematik so einfach wie möglich zu machen.

    – viel zu kleine, nicht einsehbare Temperaturkurve
    -> Das Feedback wurde von mehreren Seiten an uns herangetragen. Wir sitzen bereits an der Entwicklung, die Kurve a) größer und b) scrollbar zu machen. Das sollte also in einem der nächsten Releases gelöst werden :)

    keine Einsicht in die Auswertung
    -> Wir kommunizieren auf der Website und in der App, dass Ovy Algorithmus auf der symptothermalen Methode basiert. Wenn es Nutzerinnen hilft, können wir darauf natürlich noch einmal in der App eingehen. Wir überlegen das gerne, danke für den Hinweis.

    kein Zurückblättern der Zyklen
    -> Siehe oben: Temperaturkurve

    kein Nachtragen der Daten in vergangene Zyklen
    -> die ist über die Kalender Funktion möglich, indem Du auf den jeweiligen Tag gehst und die entsprechenden Daten einträgst.

    erfordert viele Messungen, mindestens 75 Prozent im Zyklus
    -> Wie Du ja selbst schreibst, erfordert die symptothermale Methode u.a. die tägliche Messung der Basaltemperatur. Darum verstehen wir das „viele Messungen“ nicht ganz, da wir davon ausgehen, dass für die richtige Auswertung täglich gemessen wird.

    hat meinen Eisprung nicht erkannt
    -> Wir haben uns das angeschaut: Da unsere Berechnung streng auf dem Regelwerk der symptothermalen Methode basiert, wurde aufgrund fehlender Daten kein Eisprung festgestellt. Dein Eisprung hätte stattgefunden, wenn drei aufeinander folgende Messwerte höher gewesen wären, als der höchste Wert der sechs voran gegangenen Tage. Der dritte höhere Messwert hätte um 0.2°C höher sein müssen. Ab Tag 18, also ein Tag nachdem dein Eisprung stattgefunden hat, haben wir keine weiteren Messwerte mehr erhalten. Mit welcher Methode hast Du festgestellt, dass Du an dem Tag einen Eisprung hattest?

    Vielleicht hast Du ja die Möglichkeit, die fehlerhaften Punkte anzupassen.

    Ansonsten melden wir uns gerne, wenn das Bluetooth Thermometer rauskommt.

    Liebe Grüße

    • maggie_m says

      Liebe Lina,

      danke für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass Ihr so kritikfähig seid (was nicht selbstverständlich ist, wie ich in letzter Zeit leider feststellen musste) und öffentlich Stellung bezieht. Top!

      Ich habe nun die Daten wie von Dir beschrieben nachgetragen (werde das im Bericht entsprechend ändern), aber auch der 3. Testzyklus ist laut Zyklusreport ohne nachweisbaren Eisprung, was nach NFP-Regeln nicht stimmt.

      Zum 1. Testzyklus: Die 1. höhere Messung war an Zyklustag 14, die dritte an Tag 16 war nicht 0,2 Grad höher, fällt aber nicht unter die Hilfslinie. Insofern greift Ausnahmeregel 1: Die 4. höhere Messung (Zyklustag 17) muss über der Hilfslinie liegen, was sie tut (sie ist sogar 0,25 Grad höher als der Ausgangswert)

      Kann es sein, dass die Ausnahmeregeln nicht berücksichtigt werden? Der 3. Zyklus ist jedoch auch ohne diese auswertbar …

      Tägliche Messungen sind bei der symptothermalen Methode irgendwann nicht mehr erforderlich. Anfängerinnen sollten durchgehend messen, das stimmt, aber „alte Hasen“ dürfen ruhig an Tag 6 anfangen und nach dem erfolgten ES damit aufhören. Ich selbst praktiziere das sehr lange so und es klappt wunderbar. Daher wäre für mich die Option „Täglich messen“ ein Rückschritt und mit Baby momentan ohnehin leider nicht machbar.

      Ich stelle mal meine 3. Testkurve auch online, vielleicht kannst Du dazu noch was sagen, also warum da mein ES nicht erkannt wurde (sind ebenfalls nur sehr wenige Messungen, vielleicht liegt es daran? Oder aber, dass ich Werte ausgeklammert habe?!)

      Danke Dir erstmal fürs Feedback und liebe Grüße!
      Maggie

      • maggie_m says

        +++ Und hier noch der Vollständigkeit halber Linas Antwort ++++

        Hi Maggie,

        das hilft uns weiter – vielen Dank für das Feedback. Kannst uns / mir einmal per DM die E-Mail Adresse schicken, mit der Du bei Ovy angemeldet bist? Dann können wir das ggf. einmal nachverfolgen. Kommentiere die Fragen dann gerne.

        Danke Dir & Liebe Grüße, Lina

  2. says

    Liebe Maggie, danke für den Testbericht. Man hätte das schon vorher ahnen können, denn nicht überall wo symptothermal drauf steht – ist auch auch die symptothermale Methode nach den Regeln der AG NFP verteufelst. Ich wolle noch mal zeigen, wie gut der iButton abschneidet – den du auf deinem Blog nicht vorstellen möchtest – weil er angeblich nichts taugt – zeigt dieses anonyme Interview – da muss Ovy erstmal hinkommen: http://hormonfreiverhüten.com/2017/08/16/nfp-verhuetung-trotz-schichtarbeit-interview-mit-steffi/

    • maggie_m says

      Lieber Marcus,

      danke für Deinen Kommentar.

      Ich habe nie gesagt, dass der iButton nichts taugt, nur dass ICH persönlich ihn hässlich, umständlich und teuer finde. Ich denke, dieses Thema haben wir aber schon erschöpfend behandelt.

      Zu Ovy: Vielleicht hätte man es ahnen können, aber genau aus diesem Grund mache ich ja meine Testberichte – um Klarheit zu gewinnen.

      Viele Grüße
      Maggie

  3. Wiebke says

    Hi Maggie,

    danke Dir sehr für Deinen ausführlichen und fundierten Bericht! Ich kann das alles unterschreiben und möchte gerne ein paar Anmerkungen meiner Sicht – einer „Fortgeschrittenen“ mit nur noch minimalistischer Kurvenführung 😉 – ergänzen.

    Ich habe mir die App mit Interesse angesehen. Ich hatte ehrlich mehr erwartet (aufgrund des offensiven Marketings über die „Medien“ und „Social-Media“). Ich bin allerdings sehr schnell ernüchtert zu dem Urteil gekommen, dass – obwohl im App-Store „symptothermale Methode“ drauf steht – es sich hier offenbar nicht zu 100% um eine App auf der Basis des wirklich sehr gut erforschten Regelwerks der AG NFP handelt. Und dass die App für mich als Tool für die regelkonforme Anwendung der „Sensiplan“-Methode nicht funktioniert, weil sie offenbar eine „Black Box“ ist.

    1. Weil die App nicht einmal die Begriffe und Kategorien „der wissenschaftlich anerkannten symptothermalen Methode“ einhält (konkret: alle Regeln der AG NFP; Beispiel: die ohne Begründung vereinfachten Zervixschleimkategorien – drei der unterschiedlich gemeinten „Ovy-Kategorien“ wären bei „Sensiplan“ sehr nah beieinander liegende Eigenschaften von S+! Ausführliche Bedienungs-Anleitung? Fehlanzeige! Wäre aber vor dem Hintergrund, weil vom wissenschaftlichen Regelwerk und dem sinnvollen Abfrageschema „gefühlt“/“gesehen“ bewusst abgewichen wird, mehr als nötig! „Natürlich und sicher“ funktioniert da als Standardnachschlagewerk für Anfängerinnen auf „Ovy“ bezogen nicht so wirklich…).

    2. Weil das zugrundeliegende Regelwerk nirgendwo exakt mit allen Regeln wirklich transparent erläutert wird. Nicht in der App. Nicht auf der Homepage und auch nirgends sonst. Es wäre aber nötig, das unbedingt benennen, da es unterschiedliche symptothermale Methoden gibt.

    3. Weil an keiner Stelle die relevanten Symptome exakt skaliert in nachvollziehbarer Auswertung und in Beziehung zueinander anzeigt werden. Graphische Anzeige des „Ausflussverhaltens“? Nichts! Dass das warum auch immer wissenschaftlich falsch bezeichnete „Ausflussverhalten“ in den Algorithmus einfließt, wird ja erwähnt. Von doppelter Kontrolle habe ich allerdings nichts gelesen. Weder in der App, der Homepage. Das Prinzip müsste meiner Meinung nach exakt benannt und graphisch auch so sichtbar gemacht werden!

    Die App ist hinter der wirklich schönen Benutzer-Oberfläche völlig intransparent und gerade das läuft meiner Meinung nach der symptothermalen Methode an sich komplett entgegen. Da die App nicht wie ein Zyklusblatt verwendbar ist. Eigentlich ein weiteres No-Go für mich: die App funktioniert aktuell nur ONLINE.

    Was mir nicht klar ist, wie die „symptothermale Methode“, die im Prinzip vom ersten Zyklus zur sicheren Auswertung verwendet werden kann, und ein „selbstlernender Algorithmus“, der nach einer Zeit des Lernens erst sicher etwas berechnen kann, miteinander sinnvoll in Einklang zu bringen sind und sich gegenseitig verbessern könnten, sprich: die Sicherheit erhöhen! Ein Satz wie dieser auf der Homepage ist inhaltlich nicht zutreffend: „Die Berechnung basiert auf der wissenschaftlich anerkannten symptothermalen Methode“. Oder? Auswerten ist nicht Berechnen.

    Die Berechnung von Prognosen (Eisprung, Menstruation, fruchtbaren Tage, Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit) ist vom „Sensiplan“-Regelwerk an keinem Punkt gedeckt.
    (Die Minus-8-Regel, die im Ansatz zumindest eine Kalender-Regel ist, wird durch doppelte Symptomkontrolle des Zervixschleims korrigiert, ist also keine Rechenformel für Prognosen).

    Warum wird im offiziellen „Media Kit“ von Ovy, das Dir vorliegt (?), mit der „Digitalisierung der Temperaturmethode“ geworben und einem Pearl Index der „Temperaturmethode“ von 0,8 bis 3 ohne Angabe einer Referenz? Und auf der Homepage von „Ovy“ steht unter den FAQ zu dem Punkt: „Wie sicher ist Ovy?“ dieser Satz: „Der Pearl Index der Temperaturmethode beträgt 0,8 bis 3.“

    Das ist meinen Recherchen nach der Pearl Index der veralteten „Basaltemperaturmethode“ von Döring, der auf Studien aus den 1960er Jahren beruht.

    Der allerdings als reiner Methoden-Pearl-Index sowieso Nichts darüber aussagen würde, ob die automatisierte Anwendung der Regeln der Basaltemperaturmethode durch „Ovy“ diesen Pearl Index überhaupt abbilden könnte. Dazu fehlt eine Effektivitätsstudie. (Würde da der noch bessere PI von „Sensiplan“ stehen, würde dasselbe gelten).

    Bei Döring gilt eine andere „3-über-6-Regel“: Alle drei Werte müssen 0,2 höher sein! Und es gibt keine Ausnahmeregeln! Weshalb viele Zyklen damit nicht ausgewertet werden können. Sollte der Algorithmus danach programmiert worden sein, würde das vielleicht die Nicht-Auswertbarkeit der beiden Zyklen vielleicht erklären, auch wenn es schräg klingt. Es wäre zumindest mal zu überprüfen.

    Ausserdem finde ich nicht nachvollziehbar, warum in der kaum entzifferbaren Darstellung Deines Zyklus nirgends ein Zervixschleim-Peak eingezeichnet wird. Du solltest einen Auswertungsvermerk bzw. Peak im Zyklusreport finden können, wenn der Algorithmus doch die doppelte Symptomkontrolle anwendet!?!?!?!?

    Eine Minus-8-Regel habe ich in der App (Version 1 und Version 2) vergeblich gesucht, dafür eine rein kalenderbasierte Minus-6-Regel (nach Döring?) gefunden, ist hinter dem „Info-Button“ in der Kategorie „Sex“ erklärt.

    Besonders Irreführend fand ich, dass der Algorithmus nach Eingabe der durchschnittlichen Zykluslänge bei der Anlage eines Profils für die ersten fünf Tage des ersten Zyklus mir folgende Prognose anzeigte: „niedrige Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft“. Die App wusste nicht, ob ich im Zyklus davor einen Eisprung hatte…

    Das ist weder mit „Sensiplan“ noch mit der strengen Temperaturmethode nach Döring in Übereinstimmung zu bringen. Es ist eine Missachtung der Minus-5-Regel.

    Richtig ist: Offiziell wird die App nicht zum Verhüten kommuniziert, allerdings wird zumindest indirekt suggeriert, dass es möglich sei. Die Begründung auf der Homepage für die fehlende Empfehlung lautet, dass die App dafür nicht zertifiziert sei und daher nicht zum Verhüten mit der symptothermalen Methode kommuniziert werden könne. Der entscheidende Punkt liegt meiner Meinung nach aber eigentlich woanders.

    Es gibt keine einzige App, die von den Sensiplan-Forschern in Heidelberg als „effizientes Mittel zur Familienplanung“ im Sinne „der wissenschaftlich anerkannten Methode“ akzeptiert wird. Das Regelwerk der AG NFP ist ja nur für den Anwendungsmodus manueller Auswertung durch geschulte Anwenderinnen erforscht. „Sensiplan“ ist ausschließlich durch diese „analoge“ Anwendungsweise definiert und zudem markenrechtlich geschützt.

    Eine App, auch wenn sie völlig transparent und regelkonform die Regeln der AG NFP zur Auswertung verwendet, was nicht verboten ist, das offen zu kommunizieren, wird in dem Kontext von den Wissenschaftlern als „Zyklustagebuch“ eingestuft – bis jetzt. Das hat einen ähnlichen Status wie ein Zyklusblatt, womit ja eigenverantwortlich sehr sicher gearbeitet werden kann, wenn klare Aussagen wie „Fruchtbar“/ „Unfruchtbar“ getroffen werden (können). Weshalb schlaue Anwenderinnen im Einklang mit der Methode eben manuell auswerten und/oder jede Auswertung mindestens gegen checken … 😉

    Mach ich selber so. Find ich absolut richtig, liebe Maggie, dass Du an dem Punkt absolute Transparenz einforderst!

    Aus Heidelberg werden Publikationen zum Thema „Zyklus-Apps“ angekündigt. Auch die Ergebnisse einer mehrjährigen Langzeitstudie mit Autodidaktinnen, die mit „MyNFP“ und „nfp-forum/kurvenreich“ eingestiegen sind. Dieser wissenschaftliche Artikel passt gut zur Problematik, auch weil er die Standards, die erfüllt sein sollten, aus Sicht der Wissenschaft ganz gut skizziert.

    http://sektion-natuerliche-fertilitaet.de/fertilitaets-und-zyklus-apps-im-netz/

    So weit, so ausführlich!
    In dem Sinn: Mach weiter, bleib dran!

    • maggie_m says

      Liebe Wiebke,

      wow, vielen Dank für Deinen ausführlichen und fundierten Kommentar. Du scheinst Dich intensiv mit dem Thema beschäftigt zu haben und weißt eine ganze Menge (mehr als ich) darüber 😉

      Mit den Zervixschleim-Qualitäten hast Du vollkommen recht, das habe ich in meinem Testbericht bisher völlig vernachlässigt. Danke für den Hinweis!

      Stimmt, die App ist momentan nicht als Zyklusblatt verwendbar, ich bin gespannt was sich nach einem Update tut.

      Ja, das Mediakit liegt mir vor und ist nach Angaben von Ovy veraltet. Ich hatte nämlich auf die Diskrepanz von der dort erwähnten Auswertung nach Temperatur- und auf der Website erwähnten symptothermalen Methode hingeweisen. Letzteres ist aktuell.

      Interessant sind auch Deine Recherchen zur Temperaturmethode, ich muss mich mit dieser auch noch eingehender beschäftigen. Gut möglich, dass meine nicht auswertbaren Zyklen darauf basieren, ja.

      Ich finde es jedenfalls klasse, dass Du Dich nicht vom Design blenden lässt und die App ebenso wie ich hinterfragt hast. Danke vielmals für Deinen Input.

      Alles Liebe
      Maggie

  4. Maja says

    Liebe Maggy,

    Auch von mir ein dickes Lob! Ich liebe die Schriftart deiner Webseite, aber vorallem haben mir inhaltlich deine Vergleiche immer sehr weitergeholfen (ZB ciclotest vs daysy usw). Dass du trotz Kind nich am Ball bleibst, ausführlich berichtest und diszipliniert das Testkaninchen spielst – respekt! :)
    Ich war tatsächlich kurz davor mir die daysy zu kaufen. Allerdings besticht cycletest myway mit einem PI von 0,3 – da kann daysy mit 0,7 nicht mithalten. Da kam dann aber hinzu, dass cyclotest nicht so reistransportabel ist, wie daysy und eigentlich auch „nur“ regelkonform nach sensiplan auswertet. Da ist man dann mit einer sensiplan-ausgerichteten App plus Thermometer deutlich flexibler, hat einen besseren Einblick und spart eventuell ein paar euros.

    Ich habe ein paar Fragen :)
    1) die Ovy-App hat wohl im November ein Update released und soll nun komplett sensiplan-konform auswerten – und ist weiterhin kostenlos geblieben. Das macht mich schon ziemlich stutzig. Wo ist da der Haken? Ist absehbar, ob auch Ovy kostenpflichtig wird?
    1.2) hattest du Gelegenheit die brandneue Version zu testen? Was sagst du dazu? Mir stellt sich da nämlich die Frage, warum man dann nich mynfp nutzen sollte, wenn andere Apps das kostenlos anbieten… und das macht mich skeptisch.
    1.3) weisst du vielleicht grob, wie teuer das neue Ovy-Thermometer werden soll? Ähnlich wie der Wing?

    2) die Neome-App finde ich sehr schön designed, im neuen Update wurde auch die Temp.kurve vergrößert. Ein passendes bluetooth-Thermometer wäre toll. Weisst du, ob das in Planung ist? Sonst frage ich dort selbst mal nach.
    Wenn ich die App mit Ovy vergleiche, frage ich mich, warum sie kostenpflichtig ist? Ich habe kein Problem mit Abos, aber ich wüsste gerne, inwieweit sie mehr Geld wert ist als Ovy und mynfp, wo ja auch exakt 29,90€ (also bei neome und mynfp) pro Jahr bei Nutzung fällig sind.
    Welche der 3 Apps hat für dich die Nase vorn und warum? Vielleicht wäre ein Vergleich wieder schön :)

    3) ich habe beim Googeln ein bluetoothfähiges Basalthermometer gefunden, zu dem es weit und breit keine Testberichte gibt, außer bei Amazon. Da es deutlich günstiger ist als der wink, und Ovy noch bis 2018 mit dem Verkauf warten will (zumal der Preis wohl nicht feststeht), dachte ich, dass ich dieses femometer mal bestelle. Vorher wollte ich mal fragen, ob du das schon kennst und was du dazu sagst :)
    Eine App soll es dazu auch geben, aber die ist wohl nicht sensiplan-konform, daher würde ich sie nur als Tempi-Speicher nutzen.
    https://m.bongmi.com/femometer
    Schade ist, dass es keine Temp.anzeige auf dem Femometer selbst gibt :/

    Fragen über Fragen. Vielleicht interessiert das auch die anderen Mädels und wäre einen Artikel wert ? :)

    PS: kann man bei dir irgendwo etwas spenden?

    • maggie_m says

      Liebe Maja,

      danke für Deinen Kommnatr und Dein liebes Lob – freut mich RIESIG.

      Ja, auch ich empfinde eine App flexibler als einen Computer, nur muss man sich dann sehr genau mit deren Funktionen etc beschäftigen, was Du ja aber vorbildlich tust 😉

      Zu Deinen Fragen:

      – Nein, ich habe bisher noch nicht die neue Version von Ovy getestet, werde das aber asap nachholen. Werde mir noch heute die neue Version laden und da ich eh am Anfang des Zyklus stehe, kann ich auch gleich beginnen. Dann berichte ich natürlich!
      – Zum Preismodell kann ich Dir leider nicht viel sagen, da müsstest Du mit den Entwicklern/Herstellern sprechen. Ich kann es mir nur so erklären, dass Ovy vor allem auf den Verkauf der eigenen Thermomter setzt, während myNFP nur die App vertreibt. Ob Ovy zukünftig kostenpflichtig wird und was das neue Bluetooth-Thermometer kosten wird weiß ich leider nicht.
      – Auch zu den Plänen von NEOME kann ich leider nichts sagen – die App habe ich vier Monate lang getestet, der Bericht erscheint am Montag!
      – Ja, das mit dem Vergleich ist eine gute Idee, danke! Nach aktuellem Stand ist die myNFP App mein asboluter Favorit. Sie wertet regelkonform aus, ist intuitiv bedienbar und sehr nutzerfreundlich, auch wenn sie vielleicht nicht so hip und modern daher kommt wie Ovy und NEOME. Bei Ovy bin ich immer noch skeptisch bezüglich der Auswertung, da werde ich bald mehr zu sagen können. NEOME hat mich bei der Auswertung überzeugt, bei der Usability jedoch nicht – mehr dazu am Montag.
      – Ich habe das Femometer selbst nicht getestet, wäre aber generell vorsichtig mit Produkten aus Fernost. Da gab es in der Vergangenheit schon Produkte, die in der EU nicht zugelassen wurden aufgrund bedenklicher Stoffe, die zur Herstellung verwendet wurden. Außerdem bin ich mir gar nicht sicher ob es überhaupt auf Grad Celsius umstellbar ist. Auch die App ist nicht zu durchschauen, was ihre Auswertung betrifft. Kurzum: Ich persönlich würde es nicht empfehlen, sondern auf eine etablierte Firma wie Kindara mit dem Wink setzen bzw. die daysy, den myway usw.

      Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen.
      Alles Liebe
      Maggie

      P.S. Lieb, dass Du fragst. Meine Website kann man durch den Kauf von Produkten (Thermometern, Computern etc.) über meine Partnerlinks unterstützen. Und natürlich durch solche Kommentare wie Deinen, die mir immer wieder neue Impulse geben!

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