NFP

NFP, symptothermal und Co: Ein Wegweiser durch den Methoden-Dschungel

Natürliche Verhütung ist nicht gleich natürliche Verhütung. Es gibt viele verschiedene Bezeichnungen und Methoden – einige gelten als sicherer als andere. Damit Ihr Euch im NFP-Dschungel zurecht findet, kommt nun ein längst überfälliger Artikel mit den wichtigsten Begriffen:
 

Warum ich NFP nicht mag

 
Ich weiß nicht, ob es Euch aufgefallen ist, aber ich verwende das Wort NFP äußerst selten hier auf meiner Website bzw. versuche ich es sogar komplett zu meiden. Warum? Weil ich es irreführend finde. Natürliche Familienplanung klingt für mich nach „Wie gründe ich schnell eine Familie?“ statt nach „Wie kann ich sicher und zuverlässig natürlich verhüten?“. Ich selbst war von der Bezeichnung NFP anfangs total abgeschreckt, weil ich eben nicht wusste, dass damit auch eine sichere Verhütung möglich ist.
 
Mir gefällt das englischsprachige Pendant viel viel besser: FAM = Fertility Awareness Methods, also Methoden zum Fruchtbarkeitsbewusstsein. Damit werden Verhütung und Kinderwunsch gleichermaßen abgedeckt: well done!
 

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Warum ich heute über NFP schreibe

 
Nun möchte ich Euch den Beweggrund für diesen Artikel verraten: Mich haben in letzter Zeit verstärkt Anfragen erreicht, in denen sich die Frauen nicht sicher waren, warum ihr gewähltes Tool, zum Beispiel die daysy oder der mySense, auf eine bestimmte Weise ausgewertet hat, aber eben nicht nach NFP-Regeln. Meine Antwort lautet dann immer:

Es gibt keine allgemeingültigen NFP-Regeln sowie nicht Die EINE symptothermale Methode, nach der „alle“ auswerten (müssen)

Die Zykluscomputer ziehen zusätzlich einen eigenen Algorithmus heran, wodurch es leider oft schwierig ist die Auswertung komplett nachzuvollziehen

Viele sind dann erstmal baff. „Wusste ich gar nicht“ bekomme ich oft als Antwort zurück. Nicht schlimm, ich weiß schließlich auch vieles nicht. Doch es hat Klick gemacht bei mir: Ich sollte wohl mal über die verschiedenen NFP-Begriffe und Methoden aufklären!
 


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Was bedeutet NFP?

 
NFP steht für Natürliche Familienplanung und ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Methoden, die die fruchtbare und unfruchtbare Zeit im Zyklus der Frau bestimmen. Dafür stehen ihr die Selbstbeobachtung und unterschiedliche Hilfsmittel zur Verfügung.
 

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Die meisten assoziieren mit NFP die Methode der Arbeitsgruppe NFP, die unter dem Namen Sensiplan bekannt ist. Auch ich greife in meinem Wissensteil und in meinen eBooks größtenteils auf Sensiplan zurück, handelt es sich bei ihr doch um eine höchst wissenschaftlich entwickelte und erforschte sowie äußerst zuverlässige Methode.
 
Doch es gibt noch zahlreiche weitere NFP-Regelwerke, zum Beispiel NER. NER steht für Natürliche Empfängnisregelung, eine Methode, die von Prof. Rötzer entwickelt wurde. NER hat im Vergleich zu Sensiplan zwar ähnliche Regeln, stützt sich jedoch auf einen elementaren Unterschied: In der fruchtbaren Phase herrscht absolute Abstinenz, während Sensiplan Barrieremethoden in der fruchtbaren Phase „zulässt“. Klar ist hoffentlich, dass sich die Methodensicherheit von Sensiplan nicht auf die jeweils gewählte Barrieremethode wie Kondom oder Diaphragma bezieht.
 

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NFP = symptothermale Methode?

 
Beide Methoden, also Sensiplan und NER, zählen zu den symptothermalen Methoden. Diese wiederum kombinieren die Temperatur- und Billings-Methode. Erstere beruht auf der Messung und Auswertung der Basaltemperatur, Zweitere auf der Beobachtung und Auswertung des Zervixschleims oder des Gebärmutterhalses (= Muttermund). Die symptothermale Methode kann also als Unterform von NFP bezeichnet werden. Gleiches gilt für die Temperatur- und Billingsmethode. Darüber hinaus gibt es vor allem im englischsprachigen Raum weitere symptothermale Methoden mit unterschiedlichen Regelwerken.
 
Bei uns hat sich eingebürgert, ebenfalls Sensiplan zu meinen, wenn von der symptothermalen Methode die Rede ist. Faktisch gesehen ist das zwar falsch, aber in der Praxis ist es eben so, dass sich Sensiplan als sehr beliebte und sichere Methode etabliert hat und somit in den meisten Fällen auf dieses Regelwerk zurück gegriffen wird.
 

Welche NFP-Methoden gelten als unsicher?

 
Keinesfalls zu empfehlen sind Methoden, die eben nicht auf der Selbstbeobachtung beruhen, sondern auf numerischen Kalkulationen aus vorangegangenen Zyklen wie die Kalender- oder Standard-Days-Method. Streng genommen ist die Kalendermethode (auch Knaus-Ogino genannt) ohnehin keine NFP-Methode, da sie eben nicht auf der Selbstbeobachtung basiert, wird aber in der Praxis oft zu diesen hinzugezählt.
 
Auch die reine Temperaturmethode, also ohne Zervixschleimbeobachtung, würde ich nicht empfehlen (zu Computern, die nur diese verwenden, komme ich gleich). Ebenso wenig würde ich mich nur auf die Billings-Methode, also die reine Zervixschleim- oder Muttermund-Beobachtung, verlassen, wenn es um sichere Verhütung geht. Bei einem Kinderwunsch ist diese hingegen effektiver als die Temperaturmethode.
 

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Sind Zykluscomputer wie die daysy NFP-konform?

 
Ja. Denn wie Ihr nun in diesem Artikel lesen konntet, bildet NFP nur einen Oberbegriff für alle natürlichen Verhütungsmethoden ab. Die Hersteller der Zykluscomputer setzen diese unterschiedlich um, so verwendet beispielsweise die daysy die Temperaturmethode. Allen Verhütungscomputern gemeinsam ist jedoch, dass sie sich zusätzlich zu einem NFP-Regelwerk auf einen eigenen Algorithmus stützen. Dieser ist, wie im Fall der daysy, über viele Jahre entwickelt und erprobt worden, und bietet damit in Verbindung mit der reinen Temperaturmethode eine hohe Sicherheit. Wer es noch sicherer haben will, sollte meiner Meinung nach immer den Zervixschleim (oder Muttermund) zusätzlich beobachten und auswerten.
 

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Der myWay oder die mySense-App hingegen können entweder in Kombination aus Temperaturmethode und Algorithmus oder symptothermaler Methode und Algorithmus verwendet werden. Doch auch hier kann nicht automatisch von Sensiplan als symptothermale Methode ausgegangen werden. Daher können die klassischen Regeln, wie zum Beispiel die 3-über-6-Regel, nicht immer uneingeschränkt angewendet werden.
 
Essentiell aber ist: die Sicherheit erhöht sich IMMER durch die Kombination aus zwei Symptomen, also Temperatur und Zervixschleim (oder Muttermund), daher würde ich persönlich immer diese Kombination empfehlen. Doppelt hält schließlich besser.
 

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