Diagnose PCOS

Diagnose PCOS, und nun? Ein Interview mit PCOS-Coach Julia Schultz

Diagnose PCOS – Julia kann ein Lied davon singen. Ganze 3 Jahre hat sie nach dem Absetzen der Pille auf eine regelmäßige Periode gewartet – mit den richtigen Vitalstoffen hat es dann aber geklappt. Auf ihrer Website schreibt Julia daher nun über Frauengesundheit und spezialisiert sich hierbei auf die Hormonstörung PCOS. Da dieses Thema auch viele meiner Ladies betrifft, wie die Diksussion unter dem PCO-Artikel zeigt, habe ich Euch vorab um Fragen und Julia um ein Interview gebeten. Hier kommt das Ergebnis:
 

Diagnose PCOS: Wie viele Frauen bekommen diese überhaupt gestellt? Und wie ist PCOS ausgeprägt?

 
Eine genaue Zahl der erkrankten Frauen gibt es nicht. Sie wird meiner Meinung nach verschleiert, da einige Frauen durch die Pilleneinnahme gar nicht wissen, dass sie das PCO-Syndrom eigentlich haben oder sie bekommen es vorrübergehend nach Absetzen der Pille, aufgrund der Hormonersatzstoffe. In dem Sinne kann es also durchaus sein, dass Frauen nach Absetzen der Pille viel zu schnell eine PCOS-Diagnose ausgestellt wird.
 
Wie eine Frau auf die Pille bzw. deren Absetzen reagiert, kann man nicht genau sagen. Es kommt aber häufig vor, dass der Körper die Hormonersatzstoffe nicht gut ausscheiden kann (schlechte Entgiftung), mit der Wiederaufnahme der eigenen Hormonproduktion kurzfristig überfordert ist und auch mit der Produktion von männlichen Hormonen kurzzeitig „überschießt“. Das nennt man dann Post-Pill POCS. Es kann durchaus ein Jahr (oder sogar länger) dauern, bis sich der Körper nach Absetzen der Pille wieder einstellt. Eine Unterscheidung vom „echten“ PCOS fällt allerdings schwer, weil die Kriterien (Zysten an den Eierstöcken, ausbleibende Periode und erhöhte männliche Hormone) trotzdem vorhanden sind.
 

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Aber auch das „echte“ PCOS kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig steckt eine Insulinresistenz hinter dem PCOS, welche auch zu Übergewicht führen kann. Diese Form betrifft wohl zirka 70 Prozent der Frauen mit PCOS. Auch Stress kann zu PCOS führen, da männliche Hormone auch bei zu viel Stress in den Nebennieren produziert werden. Stille Entzündungen spielen ebenfalls häufig eine Rolle.
 

Diagnose PCOS – viele Ärzte, viele Meinungen. Ist der Gang zum Endokrinologen Pflicht?

 
Ich rate es auf jeden Fall an. Ein Endokrinologe ist ein Facharzt für Hormone, der meist viel mehr untersuchen kann als der Gynäkologe oder Hausarzt. Dennoch würde ich darauf achten, einen Endokrinologen mit gynäkologischem Schwerpunkt zu wählen.
 
Warum ich das empfehle? Auch PCOS tritt nicht einfach so auf. Es gibt immer eine Ursache oder sogar andere Erkrankungen, die sich in PCOS äußern können. So sollte zum Beispiel immer ein Rundum-Check aller Hormone gemacht werden – nicht nur der weiblichen und männlichen Geschlechtshormone. Auch Stress- und Schilddrüsenhormone sowie Prolaktin und 17-OH-Progesteron sollten untersucht werden. Vitalstoffe wie Vitamin D oder der Blutzuckerwerte sollten ebenfalls gecheckt werden. Das kann darüber Aufschluss geben, ob es wirklich PCOS ist und welche Faktoren eventuell noch mit reinspielen.
 
Ein Hormon Check Sheet gibt es auf meinem Blog.
 

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Welche Untersuchungen sind eigentlich sinnvoll?

 
Bei Verdacht auf PCOS ist es sinnvoll, via Ultraschall die Eierstöcke anzuschauen sowie eine umfangreiche Blutanalyse machen zu lassen, um zu schauen, welche Hormone aus dem Ruder geraten sind. Welche Hormone unbedingt gemessen werden sollten, erfährst Du im oben genannten Hormon Check Sheet. Ich möchte betonen, dass eine Ultraschalluntersuchung allein nicht ausreicht, weil Zysten aus verschiedenen Gründen entstehen können und nicht immer das PCO-Syndrom der Auslöser sein muss.
 
Auch ein oraler Glukose-Toleranz-Test ist sinnvoll.
 

Welche Rolle spielt die Schilddrüse? Oftmals geht PCOS ja mit Hashimoto einher, oder?

 
Die Schilddrüsenwerte sollten bei der Diagnose PCOS unbedingt mituntersucht werden. Alle Hormone sind voneinander abhängig und so beeinflussen die Schilddrüsenhormone die Geschlechtshormone und anders herum. Ganz häufig kann eine Schilddrüsenproblematik zu PCOS-Beschwerden führen. Hier ist es oft sinnvoll, die Schilddrüse zu adressieren und die PCOS-Symptome können sich aufgrund dessen schon bessern.
 
Bei Hashimoto muss man verstehen, dass es sich zwar um eine Problematik der Schilddrüse zu handeln scheint, aber im Endeffekt ein massives Problem des Immunsystems vorliegt (deswegen wird es auch als Autoimmunkrankheit bezeichnet). Hier sollte unbedingt an stille Entzündungen, Lebensmittelunverträglichkeiten, Darmprobleme und Entgiftungsstörungen gedacht werden, weil diese häufig zu Autoimmunerkrankungen führen können.
 

Welchen Einfluss hat der Lebensstil und/oder die Ernährung auf PCOS?

 
Unser Lebensstil hat einen großen Einfluss auf das PCO-Syndrom. Selbst wenn bestimmte Gene PCOS wahrscheinlicher machen, hat man vor einiger Zeit entdeckt, dass es unser Lebensstil ist, der beeinflusst, wie sich bestimmte Gene ausdrücken. Das nennt man auch Epigenetik. Mehr dazu kannst Du in meinem Buch nachlesen. Dort findest Du auch alle Infos zur Ernährung und wie sie unsere Hormone beeinflusst.
 
 

Viele von PCOS betroffene Frauen kämpfen vor allem mit Haarausfall – was können sie dagegen tun?

 
Grundsätzlich gilt, dass man die männlichen Hormone im Körper reduzieren muss. Denn diese sind ja häufig das Problem und die Ursache für den Haarausfall. Hier empfehle ich die richtigen Maßnahmen (Veränderungen im Lebensstil) zu ergreifen. Allerdings kann auch ein Nährstoffmangel (z.B. Zink oder Vitamin D) die Ursache von Haarausfall sein. Hier lohnt es sich, wichtige Vitalstoffe beim Arzt testen zu lassen, dies muss aber häufig selbst gezahlt werden. Werden Mängel festgestellt, sollten diese Vitalstoffe aufgefüllt werden.
 
Es ist wichtig, den Körper nicht zusätzlich mit konventionellen Haarpflegeprodukten zu belasten. Diese überlasten vor allem die Leber, die bei Hormonstörungen eh schon nicht hinterherkommt. Sie ist unter anderem für die Produktion eines Moleküls zum Abtransport von Testosteron (Sexualhormonbindendes Globulin – SHBG) zuständig. Meist liegen bei PCOS geringe Werte von SHBG vor. Kann die Leber mehr SHBG herstellen (indem sie weniger chemische Giftstoffe entsorgen muss), bindet es sich an Testosteron und dieses kann somit nicht mehr an z.B. den Haarzellen wirken und Haarausfall verursachen. Ich kaufe mein Shampoo im Biomarkt. Rosmarin wird übrigens eine positive Wirkung auf die Haare nachgesagt.
 

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Viele Frauen haben nach der Diagnose PCOS generell das Bedürfnis „etwas tun zu müssen“. Ist das überhaupt notwendig?

 
Unbedingt. Man kann die Periode einer Frau im gebärfähigen Alter als weiteres Vitalzeichen betrachten. Eine regelmäßige Periode kann zeigen, dass eine Frau gesund ist. Wer keine Periode hat, hat auch keinen Eisprung. Wer keinen Eisprung hat, produziert auch nicht ausreichend Progesteron. Progesteron ist ein wichtiges Hormon im weiblichen Körper. Sein Fehlen kann Beschwerden bereiten. Eine negative Auswirkung auf Haut, Knochen, Herz-Kreislauf-System und die psychische Verfassung sind auf lange Sicht möglich. Ein Gleichgewicht der Hormone ist somit eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit einer Frau.
 
Auch liegt dem PCO-Syndrom häufig das metabolische Syndrom zu Grunde (u.a. durch Insulinresistenz, Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte gekennzeichnet), was vorrangig durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt wird. Wer das nicht angeht, riskiert dramatische Probleme in späteren Jahren: Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Krebs sind möglich. Frau sollte also lieber jetzt handeln, als die Lebensqualität im Alter dramatisch zu senken.
 
Auch bei Post-Pill-PCOS lohnt es sich den Körper zu unterstützen. Vitalstoffe auffüllen und die Hormonersatzstoffe entgiften steht hier ganz oben.
 

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Häufig ist von Mönchspfeffer, Clomifen, Metformin, Kortison oder bioidenten Hormonen als Therapie die Rede – was hältst Du davon?

 
Erst einmal möchte ich Mönchspfeffer nicht in einen Topf mit den anderen genannten Medikamenten werfen. Es ist eine pflanzliches Substanz, die den Körper unterstützen und stärken soll. Jedoch eignet sich Mönchspfeffer nicht für jede Frau mit PCOS, sondern am ehesten noch für diejenige, die erhöhte Prolaktinwerte hat. Bei anderen Frauen kann es den Zyklus noch verlängern und das wollen die wenigsten mit dem PCO-Syndrom. Ich habe dazu eine ganze Podcastfolge aufgenommen, in der Du erfährst, ob Mönchpfeffer die richtige Wahl für Dich ist.
 
Mein Rat für die anderen genannten Therapieformen: Sie sollten die letzte Option sein und nicht, wie so oft, die erste. Bioidentische Hormone stammen zwar aus Natursubstanzen, jedoch wurden auch diese im Labor verändert, damit sie eine Ähnlichkeit zu unseren Hormonen haben. Clomifen, Metformin und Kortison sind Medikamente, die Nebenwirkungen hervorrufen können und gleichzeitig nicht die Ursache der Hormonstörung angehen.
 
Unser Körper hat ungeahnte Selbstheilungskräfte und die gilt es in erster Linie zu fördern. Das erreichen wir über die Änderung unseres Lebensstils, den Konsum von frischem Obst und Gemüse, die Reduktion von Giftstoffen sowie ein achtsames Leben, in welchem wir Stress versuchen zu managen. Eine Medikamenteneinnahme sollte eine bewusste Entscheidung sein, bei welcher man sich über die Konsequenzen im Klaren ist.
 
Eine „Pille“ zu schlucken, weil es die einfachste und schnellste Möglichkeit ist, sehe ich kritisch. Dennoch möchte ich nicht sagen, dass die Einnahme von Medikamenten falsch ist. Mir ist wichtig, dass wir solche Entscheidungen nicht leichtfertig fällen und die Konsequenzen/Nebenwirkungen vor Augen haben. Die Änderung des Lebensstils sollte begleitend zu jeder Therapie stattfinden.
 

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Gibt es natürliche Mittel, um den Zyklus bei PCOS zu normalisieren? Muss man das überhaupt?

 
Ich finde es wichtig den Zyklus zu normalisieren, weil wir nur dann ausreichend Hormone produzieren und wirklich vital sind. Voranging sollte eine Änderung des Lebensstils hin zu einer gesünderen Ernährung, in Angriff genommen werden. Das ist schon mal die halbe Miete. Meist verkürzt sich der Zyklus allein dadurch von über 50-200 Tagen schon auf unter 50 Tage, was als großer Erfolg gewertet werden kann. Meist sind es kleine Schritte und auch bei mir hat es bis zu 3 Jahre gedauert, bis meine Periode wirklich regelmäßig und zuverlässig alle 28-30 Tage kam.
 
Hier können natürliche Mittel eine große Hilfe sein. Es gibt diverse Kräuter, die den Eisprung fördern, z.B. Frauenmantel. Bei manchen Frauen kann Mönchspfeffer hilfreich sein (siehe vorangegangene Frage), aber auch das sollte nicht als Dauerlösung betrachtet werden. Bei manchen Frauen kann die Beseitigung eines Vitalstoffmangels die Lösung sein. Besonders Vitamin C, Vitamin B6, Zink und Selen können hier unterstützen.
 
Einige Frauen finden in der TCM eine Stütze. Auch hier gibt es einige Kräuter die spezifisch ausgewählt werden und in Verbindung mit Akupunktur den Zyklus unterstützen.
 

Kann die Pille auch ein Ausweg sein?

 
Die Pille ist leider kein Ausweg aus dem PCOS, sie verschiebt das Problem nur nach hinten und kann es unter Umständen sogar verschlimmern, da die Ursache für die hormonelle Störung immer noch still in uns schlummert. Die Pille normalisiert auch nicht unseren Zyklus, wie man es uns so oft versucht weiszumachen. Ein gesunder Zyklus würde immer mit einem Auf und Ab der Hormone FSH, LH, Östrogen und Progesteron einherkommen. Progesteron wird nur produziert, wenn wir einen Eisprung haben. Ein Eisprung findet mit der Pille aber nicht statt. Man könnte auch sagen, dass unsere Eierstöcke unter der Pille keine eigenen Hormone mehr produzieren, da die Kommunikation zum Gehirn gekappt wird.
 
Was wir als Blutung unter Einnahme der Pille wahrnehmen, ist keine Regelblutung, die aufgrund des natürlichen Hormonabfalls entsteht. Es ist vielmehr eine Abbruchblutung, die durch den „Entzug“ der Hormonersatzstoffe in der Pillenpause entsteht. Des Weiteren haben alle körpereigenen Hormone eine wichtige Wirkung im Körper. Die Hormonersatzstoffe kann man mit unseren Hormonen nicht vergleichen. Sie haben nicht die gleiche Wirkung. Die Pille ist also nur ein Unterdrücken und kein Beheben des PCO-Syndroms.
 

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Viele Frauen fühlen sich hilflos, verzweifelt und verunsichert bei der Diagnose PCOS – vor allem das Wort „Unfruchtbarkeit“ macht Ihnen Angst. Ist diese berechtigt?

 
Ich kann diese Verunsicherung sehr gut verstehen. Mir ging es genauso, als ich damals die Diagnose bekam und hörte, dass ich vermutlich nie natürlich schwanger werden könnte. Wir müssen uns im Klaren sein, dass jedes Hormonbild und selbst die sich aneinander reihenden Eifollikel (Zysten) an den Eistöcken nur eine Momentaufnahme darstellen. Die Eierstöcke könnten im nächsten Monat schon ganz anders aussehen. Das gleiche gilt für das Blutbild. Nichts ist hier in Stein gemeißelt und solche Aussagen meist völlig unnötig. Vielleicht sind wir in diesem Moment gerade nicht dazu in der Lage schwanger zu werden. Das bedeutet aber nicht, dass wir es nie wieder sein können.
 
Ich habe schon viele Frauen mit der Diagnose PCOS in meinem Leben getroffen, denen genau das gesagt wurde und die ganz natürlich schwanger geworden sind und heute wundervolle Kinder haben. Sie alle haben ihren Lebensstil geändert. Bei manchen hat es recht schnell geklappt, andere mussten etwas mehr Geduld aufbringen. Auch die Naturheilkunde kann hier unterstützen. Sollte es nach allen Versuchen doch nicht klappen, bietet die Medizin heute so viele Möglichkeiten, um schwanger werden zu können.
 
Auch hier kenne ich einige Frauen, die trotz PCOS und wenig hoffnungsvollen Aussichten schwanger geworden sind. Den Weg zum Wunschkind gibt es. Hol Dir doch mal etwas Inspiration und Hoffnung im Podcast Hoffnungsvoll ins Familienglück. Nimm Deine Gesundheit in die Hand und informiere Dich aktiv über die Dinge, die Du selbst machen kannst, um Deine Hormone wieder in die richtige Bahn zu lenken.
 

Vielen Dank für das tolle Interview, Julia!

 

Solltet Ihr noch Fragen zur Diagnose PCOS haben, dann stellt sie gern unten in den Kommentaren. Oder lest weiter:

 
 

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