Go with the flow: Warum Du unbedingt auf Menstruationstassen umsteigen solltest

Menstruationstassen„Ist das nicht eklig?“ Diese Frage habe ich einer Freundin, die schon seit vielen Jahren Menstruationstassen verwendet, als allererstes gestellt. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, eine solche Tasse jemals zu verwenden. Doch ihre Antwort ließ mich nachdenken: „Nicht ekliger als ein vollgesaugter Tampon.“ Recht hat sie. Daher habe ich mich letztendlich doch an die Tasse getraut und möchte Euch von meiner Erfahrung berichten.

Vorab: Was hat eine Menstruationstasse mit natürlicher Verhütung zu tun? Gar nichts. Und doch so viel. Ich glaube nämlich, dass viele Frauen auf der Suche nach Alternativen sind – in vielen Lebenslagen. Wer sich für natürliche Verhütung interessiert, dem ist der eigene Körper sehr wichtig. Zu den natürlichen Vorgängen in ihm zählt auch die Periode und wie wir mit ihr umgehen, auch in Bezug auf die Hygiene. Und hier kommen Menstruationstassen ins Spiel. Was nicht bedeutet, dass jede Frau, die natürlich verhütet, auch eine solche haben möchten. Aber weil sich die Werte dieser beiden Themen sehr überschneiden, habe ich mich entschieden, Euch ein wenig über die Tasse zu erzählen.

Was ist eigentlich eine Menstruationstasse?

MenstruationstassenEine Menstruationstasse, auch -becher, -kappe, -cup oder auch Mondtasse genannt,  ist ein kelchartiges Produkt, das in die Scheide eingeführt wird und das Menstruationsblut von innen auffängt. Die meisten sind aus medizinischem Silikon hergestellt, es gibt aber auch Modelle aus Latex, Naturkautschuk oder TPE.  Sobald die Tasse voll ist, wird sie entleert, ausgespült und wieder eingesetzt. Sie kann bis zu 12 Stunden am Stück getragen werden.

Menstruationstassen gibt es übrigens schon seit 1937! Doch bis vor Kurzem haben wohl die wenigsten davon gehört, geschweige denn eine verwendet. Dabei hat sie sehr viele Vorteile gegenüber Tampons und Binden.

Welche Vorteile haben Menstruationstassen?

Jede Menge! Da wäre zum Beispiel der Fakt, dass sie keinen Müll verursacht und somit nachhaltig ist. Gleichzeitig spart sie unglaublich viel Geld – eine hochwertige Tasse ist schon um die 20 Euro zu haben und kann bis zu 10 Jahre verwendet werden. Kein Vergleich also zu Tampons und Binden, die ständig nachgekauft (und weggeschmissen) werden müssen.

Neben diesen ökologischen Gründen gibt es auch gesundheitliche: Während Tampons die Scheide austrocknen und im schlimmsten Fall zum toxischen Schocksyndrom (TSS) führen können, enthalten Menstruationstassen keine körperbelastenden Stoffe und sind weder gebleicht noch chemisch behandelt (vorausgesetzt man wählt die Richtige, siehe unten). Darüber hinaus können sie aufgrund ihres größeren Fassungsvermögens viel länger als ein Tampon oder eine Binde getragen werden, und sind dadurch einfach total praktisch.

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Einige Frauen berichten außerdem von einer kürzeren Periodendauer sowie weniger bis gar keinen Regelschmerzen mehr – ein weiterer Grund, warum ich die Tasse unbedingt ausprobieren wollte, da ich jeden Monat mit sehr starken Schmerzen zu kämpfen habe.

Haben Menstruatonstassen auch Nachteile?

Der einzige Nachteil, der mir einfällt, ist dass sie eventuell ein wenig Übung beim Einsetzen und Rausholen erfordern. Ach, und dass es eventuell etwas problematisch ist, sie auf öffentlichen Toiletten zu leeren bzw. auszuspülen, da in den meisten Kabinen kein Waschbecken vorhanden ist. Dort kann man sich mit einer kleinen Flasche Wasser in der Handtasche, Feuchttüchern oder auch einfach nur Toilettenpapier behelfen.

Welche Menstruationstasse ist die richtige?

MenstruationstassenMittlerweile gibt es soooo viele Hersteller, dass die Auswahl wirklich nicht leicht fällt. Ich selbst habe mich relativ blind für die Me Luna entschieden, weil sie mir von der besagten Freundin empfohlen wurde. Außerdem fand ich die Größenberatung auf der Herstellerseite sehr hilfreich und auch, dass aus unterschiedlichen Längen, Durchmessern, Weichheitsgraden und Griffvariationen gewählt werden konnte. Ich hatte Glück: Meine Tasse passt mir super gut. Aus den Berichten vieler Frauen in dieser Facebookgruppe aber weiß ich, dass das nicht immer der Fall ist. Dort könnt Ihr Euch daher umfassend beraten lassen.

UPDATE: Ich habe nun, nach der Geburt, eine neue Tasse, da mir die Me Luna nicht mehr richtig gepasst hat. Meine Wahl ist auf Silja gefallen, da sie vom gleichen Hersteller ist, jedoch aus Silikon. Dieses Material ist fester als TPE, aus dem die Me Luna ist, ploppt dadurch (bei mir) etwas besser auf und rutscht nun auch nicht mehr nach oben.

Wie funktioniert das Einsetzen der Menstruationstasse?

Zum Einsetzen gibt es mehrere mögliche Faltungen, ich habe mich für Punch-down entschieden. Vor dem Einsetzen sollte man natürlich die Hände waschen. Danach wird die Menstruationstasse wie ein Tampon eingeführt, jedoch nicht ganz so hoch. Am besten, man wartet bis sie innen aufploppt und schiebt sie dann ein wenig höher, sodass sie beim Gehen und Sitzen nicht spürbar ist. Ich hatte ehrlich gesagt ganz schönen Bammel vor dem Einsetzen! Aber es hat gleich beim ersten Versuch geklappt und war überhaupt nicht schwierig. Nach dem Einsetzen solltet Ihr kontrollieren, ob sich die Kappe vollständig entfaltet hat, indem ihr vorsichtig mit einem Finger an den Seiten entlangfahrt.

Wie kann ich die Menstruationstasse wieder entfernen?

Davor hatte ich noch mehr Bammel als vor dem Einsetzen! Aber auch hier hat es wieder beim ersten Anlauf geklappt. Ich habe mir allerdings eine Baumwollkordel mitbestellt und diese um den kleinen Ring an meiner Tasse gefädelt. Auch wenn der Cup nicht durch Ziehen an der Kordel entfernt werden sollte, so hat sie mir anfangs doch viel Sicherheit gegeben und zu einem besseren Auffinden geführt.

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Habt Ihr die Tasse lokalisiert,  greift Ihr vorsichtig an den Griff der Tasse – solltet Ihr sie nicht gleich ertasten können: Keine Panik! Es ist völlig normal, dass sie ein wenig hochrutscht. Ihr müsst einfach nur ein wenig pressen, geht dabei eventuell in die Hocke oder setzt Euch auf die Toilette. Die Tasse wird dann soweit runter gedrückt, dass Ihr sie am Griff fassen könnt. Nun drückst Du Die Kappe am unteren Ende vorsichtig ein und löst den Unterdruck. Man sollte sie NICHT einfach nur am Griff herausziehen. Den Inhalt leerst Du in der Toilette, spülst die Tasse mit Wasser (oder zur Not auch nur Toilettenpapier) aus und setzt sie wieder ein.

MenstruationstassenVor der ersten Verwendung und nach der Regelwoche solltest Du die Menstruationstasse für mehrere Minuten auskochen, um Bakterienbildung zu vermeiden. Dafür gibt es auch verschiedene Hilfsmittel.

Ein tolles Video zum richtigen Einführen und Rausholen der Menstruationstasse findest Du hier.

Wie hat mir die Menstruationstasse gefallen?

Supermegagutrichtigtollundgenial. Schon nach dem ersten Verwenden war ich echt begeistert von meiner Me Luna, und auch ein bisschen aufgeregt. So sehr sogar, dass ich die 12 Stunden maximale Tragzeit am ersten Tag gar nicht abwarten konnte: Ich leerte sie bereits nach knapp 4 Stunden – eigentlich dachte ich ja, das sei eklig und ich würde die Sache schnell hinter mich bringen wollen. Aber ich war so fasziniert davon, dass ich neugierig reinblickte und mir viel Zeit ließ. Auch das Ausspülen ist überhaupt kein Problem und geht fix.

Am zweiten Tag mit meiner Me Luna habe ich mich dann aus dem Haus gewagt: Ich war mehrere Stunden unterwegs und habe mich die ganze Zeit gefreut, nicht an den Wechsel von Tampons denken und nach einer Toilette Ausschau halten zu müssen. Auch das Abzählen von benötigen Tampons, bevor man das Haus verlässt, entfällt nun mit der Tasse. Was für ein Segen!

Am dritten Tag bin ich mit meiner Me Luna joggen gegangen, was ebenfalls kein Problem darstellte. Ich habe sie weder gespürt noch war sie undicht.

Am vierten Tag – da hatte ich nur noch eine ganz, ganz leichte Schmierblutung – wahnte ich mich schon als Tassen-Profi und wollte sie 5 Minuten bevor ich aus dem Haus ging, einsetzen. Tja, das war leider ein Trugschluss, denn ich habe es vor lauter Zeitdruck einfach nicht hinbekommen und musste dann wohl oder übel auf einen Tampon zurückgreifen. Nehmt Euch also lieber mehr Zeit beim Einsetzen und stresst Euch nicht.

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Gab es auch negative Erlebnisse mit der Menstruationstasse?

Hm, nicht wirklich. Nach den ersten Malen Einsetzen und Rausholen hat es sich etwas gereizt angefühlt, als sei ich ein wenig wund. Das Gefühl verschwand zum Glück nach zirka 10 Minuten wieder. Ich nahm mir vor, nun vorsichtiger beim Einsetzen und Rausholen zu sein, was geholfen hat. Auch hatte ich am ersten Tag das Gefühl, die Tasse würde auf meine Blase drücken und ich rannte ständig auf Toilette. War vielleicht nur Einbildung, oder aber mein Körper musste sich erst an die Me Luna gewöhnen, jedenfalls war ab dem zweiten Tag alles tiptop.

Manchmal ist mir die Tasse ganz schön hochgerutscht und ich bekam einen kleinen Panik-Anflug. Doch mit ein bisschen Pressen und Geschick habe ich sie wieder entfernen können. Ich setze sie nun sehr weit unten ein (gerade so, dass sie nicht stört) und kontrolliere ab und zu auf der Toilette, ob ich noch dran komme: Tue ich! Seid also unbesorgt, die Tasse kann nicht unendlich in Euch verschwinden. Ihr könnt vor dem Kauf die Höhe Eures Muttermundes ausmessen, und so die perfekte Größe für Euch ermitteln. Mehr Infos dazu findet Ihr in der Facebookgruppe.

Ein bisschen hatte ich ja auch die Hoffnung, dass ich mit der Menstruationstasse weniger bis gar keine Regelschmerzen mehr habe. Nun, ich musste am ersten Tag meiner Periode „nur“ 3 statt sonst 4 bis 5 Schmerztabletten nehmen. Eine kleine Verbesserung, aber da ist sicherlich noch Luft nach oben.

Bisher habe ich die Tasse übrigens noch nicht in einer öffentlichen Toilette leeren müssen – da man sie bis zu 12 Stunden am Stück tragen kann, lässt sich das Entleeren relativ gut planen. Dennoch wird es sicherlich mal die Situation geben. Aber auch die werde ich schon irgendwie meistern.

Achtet auf die Qualität von Menstruationstassen!

Eine Sache noch, die besonders wichtig ist: Wählt eine qualitativ hochwertige Menstruationstasse. Es gibt viele sehr billige Modelle, z.B. aus China, in denen vermutlich Schadstoffe stecken. Auch die Produktionsbedingungen sind dort eher fragwürdig. Zahlt lieber ein paar Euro mehr und wählt eine Tasse aus Europa – die Me Luna zum Beispiel wird in Deutschland hergestellt, und zwar von A bis Z. Auf der Herstellerseite wird sehr viel Wert auf Transparenz gelegt und Ihr könnt genau nachlesen, aus welchem Material die Me Luna ist, wie sie hergestellt wird usw.

Also, Ladies, hoch die Tassen!

Habt Ihr noch Fragen zur Menstruationstasse? Dann ab damit in die Kommentare!

 

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Comments

  1. Swantje says

    Spannend, das ist für mich komplettes Neuland, aber dein Text macht mich neugierig, Wobei mich das „Hochrutschen“ und „Suchen“ etwas verschreckt.
    Aber meine Frage ist, hast du die Tasse auch in der Nacht getragen?
    Gespannte Grüße
    Swantje

    • maggie_m says

      Hallo Swantje,

      freut mich, dass Du Interesse an den Tassen hast!

      Wenn die Tasse gut sitzt, dann sollte sie eigentlich nicht (zu weit) hochrutschen. Bei der Me Luna wird TPE verwendet, was wohl etwas weicher als medizinisches Silikon ist. Wenn Du also einen festen Beckenboden hast, wäre zweiteres vielleicht besser, und sollte dann an Ort und Stelle bleiben. Am besten ist, Du lässt Dich tatsächlich in der Facebookgruppe beraten, da sind echte Profis am Werk 😉

      Ja, ich habe die Tasse auch in der Nacht getragen, was ebenfalls total gut geklappt hat.

      Liebe Grüße
      Maggie

  2. Krissi says

    Liebe Maggie, vielen Dank für den ausführlichen und so schön unkompliziert geschriebenen Bericht. Toll, wie du so gar nicht peinlich (berührt) das Thema angehst :)

    Ich bin von den Mädels von femtastics rüber gesurft und werde mich mal durch deine Seite lesen. Die alternative Verhütung finde ich super spannend und da ich gerade auf der Suche nach Tampon-Alternativen bin, kam dieser Text auch gerade recht!

    Vielen Dank dafür, Krissi

    • maggie_m says

      Hi Krissi,
      danke für Deinen lieben Kommentar. Freut mich sehr, dass Dir der Artikel gefallen hat.

      Solltest Du noch Fragen zur natürlichen Verhütung oder auch den Menstruationstassen haben, schreib mir gern.

      Alles Gute für Dich und viele Grüße
      Maggie

  3. Corinna says

    Hallo Maggie,

    erstmal danke für deinen Blog! Sehr informativ und trotzdem locker leicht geschrieben, sodass es Spaß macht zu lesen.

    Mir ist auf der Website von Me Luna aufgefallen, dass die Tassen kleine Löcher oben haben, eine Erklärung habe ich bisher nicht gefunden. Kann die Tasse da „überlaufen“, etwa wenn man sie zu lang nicht entleert? Das hat mich etwas verunsichert.
    Gewundert hat mich auch, dass man nicht herausfindet, was das TPE nun chemisch genau ist. Da würde ich persönlich doch eher Silikon bevorzugen. Und die Farben sind zwar schön, aber bin da auch eher skeptisch, selbst wenn es Lebensmittelfarben sind. Zum Glück gibt es da aber immerhin eine farblose Variante.

    Viele Grüße
    Corinna

    • maggie_m says

      Liebe Corinna,
      vielen Dank für Dein Lob und Deinen Kommentar!

      Diese kleinen Löcher haben alle Menstruationstassen, nicht nur die MeLunas. Soweit ich weiß, sind diese dazu da, um den Unterdruck zu bilden, mit dem die Tasse gehalten wird. Du solltest die Tasse definitiv leeren, bevor die Löcher vestopfen, ja – nach einiger Zeit wirst Du genau wissen, wann eine Leerung ansteht.

      Viele Frauen bevorzugen medizinisches Silikon für ihre Tasse, weil dieses Material wohl auch besser „ploppen“ soll, ich selbst komme mit TPE jedoch gut zurecht bisher. Zum Glück gibt es ja eine riesengroße Auswahl, sodass sich jede ihren persönlichen Favoriten aussuchen kann. Am besten, Du lässt Dich in der Facebookgruppe beraten, die Mädels dort sind wirkliche Profis.

      Alles Liebe
      Maggie

  4. Michaela says

    Hallo Maggie,

    Ich hab mich durch viele positive Beiträge auf Facebook und auch deinen hier anstecken lassen und mir auch eine Tasse geholt. Mir wurde die Merula empfohlen mit der ich aber bis jetzt überhaupt nicht zurecht komm. Leider stört mich die Tasse und verursacht auch schmerzen. Was genau ich dabei falsch mach hab ich leider noch nicht raus gefunden. Ich möchte es zwar gerne noch mal probieren aber ich denke mal das es einfach nicht meins ist und ich bei der üblichen Methode bleiben werden muss. Vielleicht hast du ja noch eine Idee. Danke schon mal.
    Lg Michaela

    • maggie_m says

      Liebe Michaela,

      freut mich, dass Du auf Menstruationstassen umsteigen möchtest.

      Schmerzen sollte sie aber definitiv nicht verursachen. Kannst Du diese genauer lokalisieren und beschreiben? Ist sie vielleicht zu groß? Oder zu hart?

      Ich fand die Meluna sehr angenehm, weil sie nicht aus Silikon sondern TPE und somit relativ weich ist. Für mich war es die perfekte Einsteiger-Tasse, denn sie ließ sich sehr leicht einführen. Mittlerweile nutze ich die Silja aus Silikon und die ist deutlich fester.

      Insgesamt ist es so, dass sich Dein Beckenboden erst an die Tasse gewöhnen muss. Bei mir ist die Silja anfangs tagsüber ein wenig ausgelaufen, dann im nächsten Zyklus nur noch nachts und nun gar nicht mehr.

      Ich würde also nicht gleich aufgeben und noch mal eine andere (kleinere? weichere?) Tasse ausprobieren. Die Meluna gibt es mittlerweile in der Drogeriekette dm zu kaufen und sie ist auch nicht so teuer.

      Alles Gute für Dich!
      Maggie

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