Pearl Index

Warum der Pearl Index völlig überbewertet ist

Der Pearl Index ist nur eine Rechenmethode. Hä? Diesen Satz aus dem Buch Verhüten ohne Hormone von Dr. Dorothee Struck (dringende Leseempfehlung!) habe ich zuerst überhaupt nicht verstanden. Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto deutlicher wurde es auch mir: Der Pearl Index ist als alleinige Angabe der Sicherheit von Verhütungsmitteln ungeeignet. Warum und welche bessere Alternative es gibt, lest Ihr hier.

 

Was ist der Pearl Index überhaupt?

 

Jeder, der sich mit Verhütungsmitteln und -methoden beschäftigt, stößt früher oder später auf den Pearl Index (PI). Er gibt an, wie hoch der Anteil von Frauen ist, die trotz des angewendeten Mittels innerhalb eines Jahres schwanger geworden sind. Je niedriger der PI, desto sicherer also die Methode. Klingt erstmal vernünftig.

 

Nun zu den ernüchternden Fakten: Der PI ist steinalt. Er wurde nach dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl benannt, der sich in den 20er- und 30er-Jahren mit der Frage beschäftigte, wie Fruchtbarkeit wissenschaftlich und statistisch einwandfrei erfasst werden kann. Bis dato gab es nämlich keinen Maßstab, mit dem Verhütungsmittel untereinander verglichen werden konnten. 1933 veröffentlichte Pearl einen Artikel in einer Fachzeitschrift, auf dem der nach ihm benannte PI bis heute beruht. Das muss man sich mal vorstellen: 1933.

 

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Schwachstellen des Pearl Index

 

Obwohl schon früh bekannt war, dass der PI Schwachstellen hat, wird er bis heute in allen gängigen Arztbroschüren, Zeitschriften, Internetportalen etc. verwendet. Dabei wird ignoriert, dass bei der Berechnungsmethode des PI einiges nicht berücksichtig wurde/wird: weder die Größe der Stichprobe, also der beobachteten Frauengruppe, noch ihr Alter oder die Häufigkeit ihres Geschlechstverkehrs. Ganz zu schweigen von der korrekten Anwendung der jeweiligen Methode oder des Mittels, die von Frau zu Frau oder von Mann zu Mann stark variieren kann.

 

Der PI kann aus vielen verschiedenen Quellen und Studien berechnet werden, bei denen die Bedingungen nicht stets die selben sind. Doch genau das setzt eigentlich ein korrektes wissenschaftliches Vorgehen voraus: die Vergleichbarkeit. Die Diffusität des PI führt zum Beispiel dazu, dass für ein und dasselbe Verhütungsmittel verschiedene PI Angaben gemacht werden.

 

Ein Verhütungsmittel, viele PIs

 

Probiert es mal aus: Googelt zum Beispiel den PI für die Pille oder Spirale und schwupps: Ihr bekommt mindestens drei unterschiedliche PIs. Bei der Pille (0,1 bis 0,9) ist dies noch einigermaßen verständlich, da es unterschiedliche Präparate gibt. Die Spannweite wird beim Diaphragma noch viel größer: je nach Quelle hat es einen PI von 2-20: Ja, was denn nun? Werden 2 oder 20 Frauen von 100 pro Jahr damit ungewollt schwanger? Das ist ein himmelweiter Unterschied.

 

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Mittlerweile wird der PI aufgrund seiner eingeschränkten Aussagefähigkeit in der Wissenschaft nicht mehr als Sicherheitsangabe für Verhütungsmittel verwendet. Doch der Begriff und die angebliche Präzison hat sich in der Bevölkerung so stark eingebürgert, dass fast niemand an ihm und ihr zweifelt. Tat ich selbst auch nicht, für mich war der PI das Non plus ultra, wenn es um die Sicherheitsangabe der symptothermalen Methode ging. Ich habe diesen bis dato mit 0,3 analog zur Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) angegeben.

 

Doch das habe ich beim Relaunch meiner Website geändert. Denn gerade bei der symptothermalen Methode kommt es nicht auf Durschnittswerte an (und nichts anderes stellt der PI dar), sondern auf jede Frau persönlich, ihren Wissensstand über die Methode, ihre Motivation und letztendlich auf ihre tägliche, korrekte Durchführung.

 

Was ist die Alternative zum Pearl Index?

 

Seriöser und zuverlässiger ist statt des Pearl Index die Angabe der Methoden- und Anwendersicherheit. Erstere beziffert die Sicherheit einer Methode bei absolut korrekter Anwendung und wird daher auch als perfect use bezeichnet. Zweitere bildet die Sicherheit unter den normalen, täglichen Umständen ab. Die Anwendersicherheit wird auch als typical use bezeichnet.

 

Auch diese beiden Methoden werden als PI angegeben, denn es handelt sich dabei, wie oben erwähnt, nur um eine Berechnungsformel. Doch die Betrachtung zweier Werte ist viel differenzierter und logischer: So liegt die Methodensicherheit der Pille deutlich unter 1, aber ihre Anwendersicherheit wird mit 6 bis 8 angegeben. Denn Vergesslichkeit, Erbrechen, Durchfall, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten etc. zählen zu unserem ganz normalen Leben und werden bestens mit dem typical use abgebildet. Gerade für Frauen, für die Vergesslichkeit ein großes Thema ist, werden Langzeitverhütungsmethoden wie die Spirale empfohlen (typical use bei 0,3 bis 0,7).

 

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Und wie schauen perfect und typical use bei der symptothermalen Methode aus?

 

Hier greife ich auf die Angaben von Dr. Dorothee Struck zurück: Der perfect use der symptothermalen Methode nach Sensiplan liegt bei 0,4 und der typical use bei 1,6–3. Ähnlich wie bei der Pille herrscht also auch hier eine starke Differenz zwischen beiden Werten, die nicht weiter verwundert: Denn gerade bei der symptothermalen Methode kommt es wie bereits oben erwähnt ganz ganz doll auf die Anwenderin an. Die Methode an sich ist bombensicher. Doch das nützt nicht viel, wenn Regeln missachtet werden. Letzteres erlebe ich vor allem im Austausch mit Frauen in Facebookgruppen immer wieder. Aber das ist dann ein ganz anderes Thema.

 

Schreib Deine Meinung gern unten in die Kommentare! Oder lies weiter:

 

2 Comments
  • Der Kommentar über den PIU ist sehr gut. Wie aber auch schon Prof. Freundl betont, gibt es keinen „perfect use“ bei der symptothermalen Methode. Dieser Ausdruck stammt aus der Welt des Produktekonsums, sondern es gibt nur einen typischen und einen „wildfremden“ Gebrauch, aber nur der typische ist erfassbar, wie wir auf sympto.org schreiben:

    Seit 2008 (sympto 2) hat sympto bei einigen tausend Zyklen zu keiner ungewollten Schwangerschaft geführt. Dieses einmalige Ergebnis ist auch darauf zurückzuführen, dass die Benutzerinnen auf Ihrer Message-Box direkt von der Symptothermal-Beraterin unterstützt werden. Wir unterscheiden zwischen dem typical use: die Benutzerin hat sympto mit einer Beraterin während 6 Monaten gelernt und sich mindestens 1 Jahr lang beobachtet. Die Benutzerin muss jedoch nicht das Optimum des sympto-Motors ausschöpfen oder kein Verhütungsrisiko eingehen (das wäre der perfect use), um zu einem optimalen Verhütungsergebnis zu gelangen. Dieses Benutzeroptimum wird also nicht vorausgesetzt. Hingegen kann sympto keineswegs für die Beobachtungsqualität der Benutzerinnen bürgen, die sich frei und kostenlos beobachten. Über diese wildfremde Benutzung liegen (noch) keine Angaben vor, aber auch keine Klagen. Die wildfremden Benutzerinnen verstehen sehr schnell, dass sie ein Minimum an korrekten Daten eingeben müssen und sehen ihre Fehler bzw. ihren Disziplinverlust sehr schnell ein. In diesen Fällen wird die Verhütungsmethode gewechselt oder eine Beraterin herangezogen.

    Die Benutzersicherheit wird hingegen sofort beeinträchtigt, wenn a) schlechte oder b) unwahrhaftige Beobachtungen eingegeben werden oder c) wenn das Fruchtbarkeitsfenster nicht richtig respektiert wird (Risikoverhalten, Kondomversagen usw.). Die Benutzerfreundlichkeit wurde optimiert: siehe Seite „Wie funktioniert das?“

    14. Mai 2018 at 9:28
    • maggie_m
      Antworten

      Lieber Harri,

      danke für Deinen Kommentar.

      Ich bin mir leider nicht sicher, wer dieser Prof. Freundl ist. Und beziehe mich bei meinen Aussagen eben auf das Buch von Dr. Dorothee Struck, die einen perfect use für die symptothermale Methode angibt.

      Deine Beobachtungen basieren ja auf einer App, die Angaben von Dorothee aus wissenschaftlicher Literatur, Kongressen, Studien etc.

      Alles Liebe
      Maggie

      14. Mai 2018 at 12:04

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