Was taugen Femometer & Ovularing?

Femometer & Ovularing

Es ist momentan in aller Munde: das Femometer. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Anfragen ich dazu bekommen habe. Der Ovularing ist weniger bekannt, aber dennoch für einige von Euch von Interesse, daher gebe ich nun in diesem Artikel meinen Senf zu Femometer & Ovularing ab.

Dazu muss ich direkt vorab sagen bzw. schreiben: Ich habe weder das Femometer noch den Ovularing selbst getestet (allerdings die Femometer-App). Dennoch bin ich so selbstbewusst und glaube nach so vielen Jahren mit der Thematik abschätzen zu können, wann ein Tool gut ist und wann nicht sowie welche Voraussetzungen es erfüllen muss, um als sicheres und verlässliches Tool zu gelten.

Was ist das Femometer?

Das Femometer ist ein Bluetooth-Thermometer, das die Messwerte automatisch an die Femometer-App überträgt.

Was bzw. wer mir sofort in den Sinn kam, als ich zum ersten Mal vom Femometer hörte und las war: Sophia. Die Verhütungscomputer mit diesem schönen Namen stammen aus Japan und sind in der EU nicht zugelassen. Ihnen fehlt die CE-Zertifizierung, an deren Verfahren sie bereits mehrfach gescheitert sind, da gesundheitsschädliches Blei bei der Herstellung verwendet wird.

Das Femometer wurde von einem chinesischen Startup entwickelt und kann immerhin eine CE-Zertifizierung vorweisen. Ihr könnt Euch dennoch vorstellen, welche Assoziation ich mit Produkten aus Fernost habe. Und ganz unbegründet ist diese nicht, denn meiner Meinung nach schlägt sich ein günstiger Preis – und das Femometer ist mit derzeit 39 Euro unschlagbar günstig – immer in der Qualität nieder.

Wie wertet die Femometer-App aus?

Gute Frage. Denn ich weiß es nicht. Zumindest nicht 100-prozentig. Geworben wird

mit Fertilitätsbewusstsein-Methode und Sensiplan-Regeln.

Mit Ersterer ist wohl die Fertility Awareness Method aus den USA, kurz FAM gemeint. Was mich direkt stutzig gemacht hat, denn FAM und Sensiplan (=NFP) sind nicht das gleiche. Werden beide verwendet? Falls ja, wie soll das genau gehen? Oder doch nur eine? Und wieso ein chinesisches Unternehmen ausgerechnet auf eine US-amerikanische oder deutsche Methode zurückgreifen sollte, wenn es doch den ganzen Weltmarkt bedient, ist mir ebenfalls ein Rätsel.

Es wird außerdem eine Sicherheit von 99,6 Prozent angegeben. Das wollte ich genauer wissen. Also habe ich mir die Femometer-App kostenlos heruntergeladen und meine Daten wie durchschnittliche Zykluslänge, letzte Periode etc. eingetragen. Und schwupps: warf mir die App einen bevorstehenden Eisprung heraus. Ohne jemals auch nur einen Temperaturwert oder eine Zervixschleimqualität eingetragen zu haben. Nur aufgrund meiner Durchschnittsdaten. Für mich daher ein klarer Fall von: Kalendermethode.

Der Femometer-App-Test

Ich habe dann im folgenden Zyklus meine Temperaturwerte vom Wink in die Femometer-App übertragen. Sie hat mir eine schöne Temperaturkurve gezeichnet. Mehr aber auch nicht. Obwohl mein Zyklus bilderbuchmäßig zum Auswerten war, wird mir bis heute „Fertilität“ angezeigt. Die eingetragenen Daten haben außerdem keinen Einfluss auf die „Konzeptionsrate“, die bei mir ständig gleichbleibend niedrig ist (was wiederum nicht zur Angabe „Fertilität“ passt). Kurzum: die App ist absoluter Schmu.

Noch dazu ist sie wahnsinnig schlecht aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, völlig überladen und ganz schrecklich zu bedienen.

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Die 1. höhere Messung fand an Zyklustag 15 statt (ich vermute der Tag davor soll der Eisprung sein). Die Temperatur wäre regelkonform am Abend des 17. Zyklustages ausgewertet.

Die Alternative zum Femometer

Ich weiß, er ist teurer und nicht so einfach zu beschaffen, aber mit dem Wink weiß Frau einfach was sie hat. Er wurde von Kindara, einem etablierten Unternehmen aus den USA entwickelt, das sich schon lange mit natürlicher Verhütung und Schwangerschaftsplanung beschäftigt, und ist zudem qualitativ hochwertig verarbeitet. Auch die Kindara App ist sicherlich nicht optimal (wertet leider nicht automatisch aus), aber dennoch tausendmal besser als die Femometer-App.

Was ist der Ovularing?

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© Ovularing

Der Ovularing vereinfacht nach Aussage des Herstellers

die natürliche Familienplanung nach Sensiplan.

Es handelt sich dabei um einen kleinen Sensor in einem Kunststoffring, der ähnlich wie ein Tampon vaginal eingeführt wird. Der Sensor wird mithilfe eines Lesegerätes ausgelesen und an eine webbasierte Firmensoftware übertragen. Dort wird dann die Zykluskurve etc. angezeigt. Die Website kann auch über das Smartphone abgerufen werden – ich persönlich halte eine App jedoch für viel viel praktischer.

Laut Hersteller ist der Ovularing sowohl zur Schwangerschaftsplanung als auch natürlichen Verhütung geeignet.

Der Ring soll spätestens am 5. Zyklustag eingesetzt und – jetzt kommts: den gesamten Zyklus über getragen werden! Das halte ich für absolut unnötig. Ich möchte kein technisches Gerät in mir haben, schon gar nicht den kompletten Zyklus über.

Wie wertet der Ovularing aus?

Auf der Website steht ganz prominent und oft etwas von Sensiplan und dass der Ovularing eine bequeme Unterstützung für die Anwendung der symptothermalen Methode darstellt. Doch wenn ich mir die einzelnen Funktionen ganz genau ansehe, entdecke ich folgende Info:

Automatische Auswertung in Form eines CFG unter Anwendung eines neuen medizinischen Algorithmus

CFG bedeutet Cyclofertilogramm und heißt nichts anderes als Zykluskurve.+++ Hierzu folgende Anmerkung des Herstellers:

Wir erstellen unser Cyclofertilogram mit Hilfe von 288 Messpunkten am Tag. Dadurch werden Temperaturmuster aufgezeichnet, die mit Hilfe von medizinischen Algorithmen ausgewertet werden. So können wir den Eisprung mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99% im laufenden Zyklus erkennen und nach 3 aufgezeichneten Zyklen sind wir in der Lage eine Prognose für die Folgemonate abzugeben.

Hier wird nun also von einem Algorithmus gesprochen. Ja, was denn nun? Sensiplan oder Algorithmus? Oder beides? Der Hersteller dazu:

Zusammenfassend kann man sagen, dass im Rahmen der natürlichen Verhütung OvulaRing die Anwendung der sensiplan Methode erleichtert und dass Temperaturmessen für die Frauen dich nicht so diszipliniert sein können und wollen objektiviert

Weiterhin findet sich folgender Punkt unter Funktionen:

Zuverlässige Prognose des nächsten Eisprungs nach drei gemessenen Zyklen

Mit dieser Aussage ist der Ovularing endgültig bei mir durchgefallen. Wenn Ihr wisst wie die symptothermale Methode funktioniert, dann wisst Ihr auch, dass ein Eisprung niemals zuverlässig vorhergesagt werden kann. Er wird jeden Zyklus aufs Neue bestimmt, und zwar im Nachhinein. Natürlich geben Euch einige Apps und auch Verhütungscomputer eine Prognose für den kommenden Zyklus, jedoch ohne den Anspruch auf Zuverlässigkeit. Es ist und bleibt eben eine Prognose, auf die sich nicht verlassen werden kann, was der Ovularing mit dieser Aussage aber impliziert.

Die Kosten des Ovularings

© Ovularing

© Ovularing

Auch mit dem Preismodell des Ovularings kann ich mich nicht anfreunden, ich halte es schlicht und einfach für kompliziert und völlig überteuert. Für die Erstanwendung muss ein Startpaket gekauft werden. Darin enthalten ist der Biosensor, drei Kunststoffringe, das Lesegerät, der Zugriff auf die webbasierte Software usw. Also eigentlich alles was Frau braucht. Die Erstbestellung ist jedoch zeitlich begrenzt auf 3, 6 oder 12 Monate. Die Preise dafür variieren zwischen 84,90 und 39,90 Euro pro Monat (!).

Nach Ablauf dieser Zeit muss die Anwendung verlängert werden. Hier werden pro Monat wieder zwischen 29,90 und 49,90 Euro fällig. Rechnet Euch das mal durch: Beim günstigsten Modell (Startpaket für 12 Monate für 39,90 Euro/Monat plus Verlängerung von 12 Monaten für 29,90 Euro/Monat) kommt Ihr auf Kosten von 837,60 Euro (!) für nur zwei Jahre. Und so geht das dann Jahr für Jahr weiter … das sagt übrigens der Hersteller zu seinem Preismodell:

Das Produkt ist primär zur Erfüllung des Kinderwunsches entwickelt wurden und hier liegt auch unser Hauptmarkt. Unser medizinischen Studien zeigen, dass die Anwenderin von OvulaRing nach durchschnittlich 3,76 Monaten schwanger wird, hier ist die Anwendung also meist zeitlich begrenzt

Mein Fazit zu Femometer & Ovularing

Finger weg. Der Ovularing muss täglich getragen werden, die Auslesung erfolgt umständlich am PC, es kann nur über eine Website ausgewertet werden, die Auswertung selbst ist unklar, die Kosten sind eine absolute Frechheit. Das Femometer ist fragwürdig, was die Qualität betrifft, die dazugehörige App ist schlecht übersetzt, nicht benutzerfreundlich und wertet zudem nach Kraut & Rüben aus.
Noch Fragen?

Ab damit in die Kommentare!

 

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Comments

  1. says

    Liebe Maggie,
    hier ist Alisa aus Femometer Team, wir kümmern uns um Ihre Artikel für längere Zeit schon, heute bekommen wir Ihren neuen Artikel über Femometer, das ist ja sehr überraschend. Wir haben Ihnen früher eine E-Mail gesendet, Sie zum Testen von Femometer einladen zu möchten, aber leider bekommen wir kein Rückschreiben. Hier möchte ich einige Punkte über Femometer erklären, damit Sie Femometer besser kennen:
    1. Wenn es keine Daten gibt, läuft Femometer mit der Kalender-Methode.
    2. Nachdem Sie damit Basaltemperatur gemessen haben, Femometer beginnt, Ihren Körper zu kennen.
    3. Nach 1 bis 2 kompletten Zyklen beginnt Femometer, mit Sensiplan und FAM-basierten Algorithmus intelligent vorauszusagen. Dieser intelligente Algorithmus basiert auf einer großen Anzahl von Benutzerdaten, ist von uns selbst geforscht und entwickelt, der ist weiter fortschrittener und genauer als einfacher Sensiplan oder FAM.
    4. In Hinsicht auf App-Übersetzung optimieren wir immer weiter, bitte akualisieren die App und die neueste Versionweiterhin.
    Wir möchten Ihnen ein Femometer schicken und laden Sie zum Testen ein, die Auswertung nur aufgrund APP ist unvollseitig, das ist uns sehr ungerecht. Wir sind davon überzeugt, Ihre Meinungen zu Femometer durch die richtige Verwendung zu ändern.
    Freuen auf Ihre Rückschreiben!
    Femometer Team

    • maggie_m says

      Liebe Alisa,
      vielen Dank für Deine E-Mail und die Informationen.

      Ich habe bisher leider keine Nachricht von Euch erhalten. Gern teste ich das Femometer selbst! Am besten Ihr schickt mir eine E-Mail, dann können wir alles weitere besprechen: hello@wearetheladies.de

      Danke und viele Grüße
      Maggie

  2. Silva says

    Die Firma Femometer kann sich offenbar keine deutschen Servicekräfte leisten. Nicht gerade vertrauenerweckend!

    Es interessiert mich trotzdem, wie deine Bewertung nach der vollständigen Prüfung ausfällt.
    Wann bekommst du den Computer?
    Und wie lange dauert die Testphase?

    • maggie_m says

      Liebe Silva,

      ich habe bisher keine E-Mail vom Femometer-Team bekommen, und ich glaube auch nicht, dass da noch was kommt. Auch die im Kommentar erwähnte E-Mail mit der Aufforderung zum Testen ist nie bei mir angekommen.

      Insgesamt macht der Kundenservice einen schlechten Eindruck, das stimmt.

      Viele Grüße
      Maggie

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