Clue, Glow & Co: Was taugen die neuen Zyklus-Apps?

Zyklus-AppsVor Kurzem habe ich eine Nachricht erhalten, in der folgender Text stand: „3 meiner Kolleginnen sind durch Verhütungs-Apps ungewollt schwanger geworden!!!“ Normalerweise würde ich selbstverständlich niemals Eure persönlichen Nachrichten an mich veröffentlichen – bei dieser hier aber wurde eine nicht existierende E-Mail-Adresse angegeben, und sie beinhaltete weder Ansprache noch Namen. Nicht gerade die feine englische Art – und auch nicht besonders fair. Gern hätte ich der Absenderin nämlich folgendes geantwortet:

1. Klar, das kann leider immer mal passieren.

Keine Methode ist zu 100 Prozent sicher und gerade bei Apps kommen Programmierungs- und Anwendungsfeher vor, letztere zum Beispiel bei den selbst vorgenommenen Einstellungen, beim Übertragen der Temperaturwerte, Nicht-Markieren von Störfaktoren usw. In der kurzen Zeit seit meinem Blog-Launch vergangenen Oktober musste ich außerdem feststellen, dass es einigen Frauen Schwierigkeiten bereitet, ein (analoges) Thermometer richtig abzulesen. Auch Rundungsfehler bei digitalen Thermometern kommen vor und beeinträchtigen natürlich die Auswertung, ebenso Thermometer, die nur eine Nachkommastelle haben – bei der symptothermalen Methode kommt es auf wenige Zehntel Grad Celcius an, vergesst das bitte nicht!

Eine noch wichtigere Rolle spielt aber wohl die gewählte Barrieremethode in der fruchtbaren Zeit: Wenn Kondom oder Diaphragma nicht korrekt angewendet wurden, sind sie leider auch nicht sicher.

2. Welche App(s) haben Deine Kolleginnen denn verwendet?

Nicht alle sogenannten Zyklus-Apps eignen sich nämlich, um die symptothermale Methode zuverlässig zu praktizieren.

3. Muss jede Frau trotz App mitdenken.

Und sollte die Auswertung immer abgleichen und gegenchecken, was ich ja auch ständig und überall gebebtsmühlenartig predige.

Die mysteriöse E-Mail hat mich auch dazu bewogen, diesen Blog-Post früher als geplant zu schreiben und zu veröffentlichen. Denn es gibt wirklich jede Menge Apps auf dem Markt, die eine Zyklusbeobachtung ermöglichen und viele Frauen sind verständlicherweise verunsichert, welche überhaupt zum Verhüten geeignet ist.

Fast täglich eine neue Zyklus-App

Ich komme mit dem Recherchieren neuer Period-Tracker und Fertility-Apps kaum hinterher, sprießen sie doch mittlerweile wie Pilze aus dem Boden. Alle kann ich daher gar nicht bewerten und einschätzen. Aber ich habe mir die gängigsten rausgesucht, zum Teil auf mein Smartphone geladen und eine Zeit lang getestet. Und das ist dabei raus gekommen:

1. Clue

Zyklus-Apps

Cooles, cleanes Design: Clue

Clue stammt aus Berlin und ist im Prinzip ein ganz gewöhnlicher Menstruationskalender. Sie erlaubt zusätzlich die Eingabe verschiedener Faktoren, zum Beispiel Stimmung, Schmerzen, Sex und Ausfluss. Schon der letzte Punkt ließ mich aufhorchen – denn Zervixschleim ist kein Ausfluss und somit ist diese Bezeichnung schlicht und einfach falsch.

Die Gestaltung der App ist ziemlich cool und clean. Auf der Facebook-Seite steht jedoch ausdrücklich, dass diese NICHT zur Verhütung geeignet ist.

Das kann ich zu 100 Prozent bestätigen: Weder kann man die Temperatur eingeben, noch wird nach einer hochsicheren Methode ausgewertet. Stattdessen basiert Clue wohl einfach auf der Kalendermethode, zu der ich hier schon meinen Senf abgegeben habe. Bei mir hat Clue meinen Zyklus sehr, sehr ungenau vorherbestimmt, was angesichts seiner Regelmäßigkeit ziemlich erschreckend ist. Diese App ist also definitiv (noch) nicht zum Verhüten geeignet!

NACHTRAG: Ich habe Post von Clue bekommen: In der iOS-App kann nun auch die Temperatur eingetragen werden. Allerdings ist die App weiterhin nicht zum Verhüten geeignet!

2. Glow

Zyklus-Apps

Glow erfasst auch die Basaltemperatur (BBT)

Der größte Konkurrent von Clue ist wahrscheinlich Glow aus den USA. Diese App ist bisher nur auf Englisch erhältlich. Ich habe sie zum besseren Vergleich mit den gleichen Daten gefüttert wie auch Clue. Allerdings konnte ich bei Glow auch meine Basaltemperatur eingeben – hierbei gibt es jedoch ein kleines Problem: Die App kann zwar auf Grad Celcius gestellt werden, akzeptiert jedoch nicht, wenn ich einen Punkt verwende, also zum Beispiel 37.05 Grad. Ein Komma kann ich jedoch in der Eingabemaske gar nicht auswählen. So musste ich immer nur die ersten beiden Zahlen eingeben, also 37, woraus die App dann automatisch 37,00 Grad machte und ich nun die 00 in 05 ändern konnte. Puuuh, sehr nervig und kompliziert. Auch, dass man alle Tagesdaten erst „loggen“ muss, bevor sie gespeichert werden.

Aber: Ich bin nach wie vor erstaunt, wie exakt Glow meinen Eisprung, meine fruchtbare Phase und meine Periode auch bis heute noch hervorsagt, obwohl meine anfänglichen, rudimentären Daten bereits von Oktober 2015 stammen. Seitdem habe ich hin und wieder nur einen Parameter eingegeben, manchmal über Wochen auch gar nichts. Trotzdem hat Glow teilweise exakter berechnet als OvuView. Nicht schlecht!

Zyklus-Apps

Sehr exakt, aber mir persönlich zu viel Firlefanz: Glow

Toll finde ich an dieser App auch, dass sie mir jeden Tag anzeigt, wie hoch das Risiko einer Schwangerschaft in Prozent ist. Nicht so toll finde ich, dass man immer erst auf „Today“ klicken muss, um zum aktuellen Tag zu gelangen und die App insgesamt sehr lange lädt. Auch die vielen Pop-Ups, Neuigkeiten aus der Glow-Community usw. finde ich nervig.

Kann man also mit Glow verhüten oder nicht? Tja, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Einerseits hat mir die App trotz weniger Daten meine Phasen korrekt berechnet. Andererseits traue ich ihr nicht 100-prozentig über den Weg, allein schon weil die Eingabe der Basaltemperatur so hakt. Leider kann außerdem die Temperaturkurve nicht eingesehen werden und somit würde ich Glow nicht empfehlen, wenn Ihr mit natürlicher Verhütung anfangt, da die Nachvollziehbarkeit der Daten nicht gegeben ist.

Alte Hasen mit einem regelmäßigen Zyklus können sich unter Umständen aber schon auf Glow verlassen, wofür ich natürlich nicht meine Hand ins Feuer lege. Vielleicht lasst Ihr sie vorerst parallel zu Eurer „alten“ App laufen und schaut, ob es passt. Für mich kommt sie insgesamt aufgrund ihrer schlechten Usability nicht in Frage.

3. Natural Cycles

nc-ios-iconDiese App habe ich nicht getestet. Denn: sie kostet etwas! Zumindest nach der einmonatigen, kostenlosen Testphase. Da ich aber keine Lust auf solch ein Zahlungsmodell hatte, habe ich mir die App nicht runtergeladen. Insofern kann ich natürlich auch nichts zu der Auswertung von Natural Cycles sagen.

Hier aber dennoch eine allgemeine Einschätzung: Bei dieser App stören mich gleich mehrere Punkte. Zum einen die Tatsache, dass mit einer 99,9-prozentigen Sicherheit geworben wird. Diese Zahl halte ich persönlich für utopisch. Vor allem, weil Natural Cycles noch nicht mal den Zervixschleim erfasst, geschweige denn auswertet. Stattdessen können LH-Tests wie beim Persona gemacht werden – sie gelten allgemein als eher unsicher und gehen ebenfalls ganz schön ins Geld.

Zweitens: Die Messzeit mit dem beigefügten Thermometer wird mit 30 Sekunden angegeben. Das halte ich für viel zu kurz. So wie ich es sehe, handelt es sich bei dem Thermometer um ein stinknormales, digitales Thermometer mit zwei Nachkommastellen und nicht um einen sensiblen Messsensor wie z.B. bei der daysy, der ein schnelles Messen ermöglicht. Ich halte es daher für nicht empfehlenswert und schon gar nicht regelkonform, nur 30 Sekunden statt 3 Minuten zu messen.

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Und drittens, wie schon erwähnt: die Kosten. Ich bin generell kein Fan von Abo-Modellen, und schon gar nicht, wenn es so viele tolle und sichere Alternativen gibt, die entweder kostenlos oder mit EINMALIGEN Kosten verbunden sind. Insgesamt kommt Natural Cycles daher für mich überhaupt nicht in Frage.

UPDATE: Natural Cycles wurde als weltweit einzige App als Medizinprodukt zertifiziert und hat nun doch mein Interesse geweckt. Ich habe die App daher drei Monate lang getestet und diesen Bericht verfasst.

Fazit zu Zyklus- und Verhütungs-Apps:

Diese drei Apps bilden nur einen Bruchteil der neuen Zyklus-App-Generation ab. Bei vielen handelt es sich jedoch um reine Period Tracker, also Menstruationskalender, die auf der Kalendermethode sowie eventuell einem eigenen Algorithmus beruhen und auf keinen Fall zur Vermeidung einer Schwangerschaft eingesetzt werden sollten.

An dieser Stelle möchte ich außerdem an ein paar wichtige Punkte in Sachen Verhütungs-Apps erinnern: Im Gegensatz zu Verhütungscomputern sind sie keine zertifizierten Medizinprodukte, wurden weder unabhängig geprüft noch besonders lange erforscht (Ausnahme: Natural Cycles wurde klinisch getestet und zertifiziert). Egal, für welche App oder welches andere Tool Ihr Euch entscheidet: Ihr solltet Euch nie blind auf die Technik verlassen, die Methode zunächst von Grund auf erlernen (zum Beispiel mit meinem Videokurs) und stets aufmerksam durchführen und Euren Zyklus mitverfolgen. Im Allgemeinen gilt: Wer Sex hat, geht auch IMMER ein Risiko ein, schwanger zu werden.

Viele Paare verwenden in der fruchtbaren Zeit ein Kondom oder ein Diaphragma – dann gilt natürlich der jeweilige Pearl-Index des gewählten Verhütungsmittels und nicht der der symptothermalen Methode. Die symptothermale Methode ist NUR zu 99,7 Prozent sicher, wenn in der fruchtbaren Phase vollkommen auf Geschlechtsverkehr verzichtet wird.

Eine Herz für Apps

Dennoch möchte ich zum Schluss noch eine Lanze für Verhütungs-Apps brechen: Wer die Richtige wählt, seine Daten sorgfältig einträgt, den Zyklusverlauf und die Auswertung mitverfolgt und gegencheckt, der kann sehr wohl sehr sicher auf diese Weise verhüten. Also lasst Euch nicht von solchen Stories wie „Ich kenne Frauen, die damit schwanger geworden sind“ verunsichern. Die wird es immer geben – bei jeder Verhütungsmethode.

 

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Comments

  1. lea says

    Also ich kann bei meiner Clur App die Temperatur einfach eingeben – mit 2 Stellen hinterm Komma. Und auch als „unreliable“ markieren wenn nötig. Man muss dann noch in den Einstellungen angeben ob man möchte, dass diese Daten zur Voraussage des Zyklusses genutzt werden. Allerdings werden die Daten (noch) nicht mit den Daten für den Zervixschleim kombiniert. Das muss man derzeit in seinem Kopf tun. Und man kann einen täglichen Reminder zum Messen einstellen. Für mich sehr praktisch.
    Schön, dass es deine Webseite gibt!

    • maggie_m says

      Hallo Lea,

      danke für Deinen Kommentar.

      Freut mich natürlich, dass Du mit Clue so gut zurecht kommst. Da die App aber selbst von den Entwicklern nicht zum Verhüten empfohlen wird, und sie mir meinen eigenen Zyklus sehr, sehr ungenau „berechnet“ hat, möchte ich sie auf keinen Fall als sichere Verhütungsmethode empfehlen. Da gibt es meiner Meinung nach viel, viel bessere (myNFP, OvuView). Aber das muss natürlich jede Frau für sich selbst entscheiden 😉

      Alles Gute für Dich
      Maggie

  2. Anja says

    Hey!
    Also ich verwende die App: myNFP( kostet €5,99 einmalig) und das schon seit ca 1 Jahr! Funktioniert einwandfrei-basiert auf der symptothermalen Methode…
    Kann ich nur empfehlen, natürlich muss man sich vorher mit dem Thema beschäftigen!
    Man kann verschiedenste Einstellungen vornehmen-zB Auswertung automatisch/ händisch, Beobachtung Schleim/ Muttermund, Art des Thermometers…
    LG Anja

    • maggie_m says

      Liebe Anja,

      danke für den Hinweis – myNFP ist meiner Ansicht nach die beste App, wenn es um die symptothermale Methode geht und ich stelle sie auch auf meiner Website unter Verhütungs-Apps vor. Leider ist sie in der Vollversion nur auf dem iPhone zu haben, sodass ich mir beim Umstieg auf Android eine Alternative suchen musste …

      Viel Spaß und Erfolg Dir weiterhin
      Liebe Grüße
      Maggie